Aufholjagd Intel steckt 20 Milliarden Dollar in Chipfabriken

Die Halbleiterbranche steckt in der Nachschubkrise, Intel zieht jetzt eine Lehre draus. Der US-Konzern baut zwei neue Werke – in den USA. Die Investitionen sind gewaltig.
Intel-Logo: Standort in Europa gesucht

Intel-Logo: Standort in Europa gesucht

Foto: Christoph Dernbach/ DPA

Intel baut für mehr als 20 Milliarden Dollar zwei Chipfabriken in den USA. Die Produktion auf Basis modernster Technologien in den Anlagen im US-Bundesstaat Ohio soll 2025 beginnen, wie der Halbleiterriese am Freitag mitteilte.

Insbesondere angesichts der aktuellen Chipengpässe hatten US-Politiker zuletzt gefordert, die Halbleiterproduktion wieder stärker ins eigene Land zu bringen. Seit Jahrzehnten ist die Chipfertigung vor allem in Asien gebündelt. In Ohio soll auch für die Sicherheits- und Infrastruktur-Bedürfnisse der USA produziert werden, wie Intel ankündigte. Die mehr als 20 Milliarden Dollar bezeichnete der Konzern als anfängliche Investition.

Intel sucht aktuell auch nach einem Standort für ein geplantes neues Werk in Europa. Der Konzern vollzieht gerade einen strategischen Wandel: Statt nur eigene Chips zu produzieren, will Intel verstärkt auch als Auftragsfertiger für andere Anbieter auftreten. Dabei sollen die Fabriken in Ohio ebenfalls helfen.

Die globale Chipknappheit löste eine Welle von Milliardeninvestitionen in den Ausbau der Kapazitäten aus. Wie im Fall von Intel wird es aber in der Regel mehrere Jahre dauern, bis die neuen Werke mit der Produktion beginnen können. Ausgelöst wurden die Engpässe unter anderem durch den pandemiebedingt erhöhten Bedarf an Notebooks für das Arbeiten und Lernen von zu Hause aus. Einige Brancheninsider argumentieren aber, dass sich die Knappheit mit der beschleunigten Digitalisierung aller Bereiche schon vorher abzeichnete.

Intel, lange der unangefochtene Primus der Halbleiterindustrie, ist in den vergangenen Jahren verstärkt unter Druck geraten. Probleme bei der Produktionstechnologie verzögerten die Einführung einer neuen Chipgeneration. Dadurch konnte der kleinere Rivale AMD Marktanteile dazugewinnen. Zudem ersetzt Apple Intel-Prozessoren in seinen Mac-Computern durch Chips aus eigener Entwicklung. Sie basieren auf derselben Architektur wie die Chips in den iPhones. Rivalen wie Qualcomm wollen Intel auf ähnliche Weise inzwischen auch den Platz in Windows-PCs streitig machen.

mik/dpa-AFX
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