Internet-Versicherung Allianz scheitert mit Online-Billig-Anbieter

Herber Rückschlag für die Allianz: Der Versicherungsriese will sein Online-Portal für billige Kfz-Policen Mitte September vom Netz nehmen. Der Konzern wollte der Konkurrenz mit der Billigmarke Anteile abtrotzen - nun richtet er seine Internet-Strategie neu aus.


Hamburg - Der Versicherungskonzern Allianz schließt seinen deutschen Internet-Anbieter Allianz 24. Ein Unternehmenssprecher sagte, dass das Portal nicht fortgeführt werde und bestätigte damit Informationen der "Financial Times Deutschland" ("FTD").

Allianz-Zentrale in München: Internet-Strategie gescheitert
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Allianz-Zentrale in München: Internet-Strategie gescheitert

Die Zeitung berichtet am Dienstag, der Versicherungsriese werde Allianz 24 Mitte September vom Netz nehmen. Das Unternehmen habe bereits alle Kooperationsverträge mit Online-Vergleichsportalen gekündigt.

Allianz 24 bietet Kfz-Versicherungen zu Billigpreisen. Die Auto-Assekuranz ist neben Lebens- und Krankenpolicen mit 20 Milliarden Euro Jahresprämie das größte Geschäftsfeld der Versicherer. Die Allianz verliert in diesem Bereich seit Jahren Anteile. Mittlerweile versichert sie weniger als neun Millionen Fahrzeuge und ist damit derzeit noch Marktführer. Der Konkurrent HUK-Coburg kommt inzwischen aber schon auf 8,1 Millionen Policen.

Die Versicherer versuchen sich seit mehreren Jahren gegenseitig mit Niedrigpreisen im Internet zu unterbieten. Die Allianz verfolgt diese Online-Strategie seit 2005. Der Konzern versuchte, unter ein und derselben Marke ein Hochpreisangebot über Vertreter und einen Billigtarif im Internet aufzubauen.

Doch die Strategie scheiterte: Marktführer im Online-Bereich ist der HUK-Ableger HUK24, der mittlerweile mehr als eine Million Fahrzeuge versichert. Allianz 24 dagegen kommt nur auf 300.000 Policen. Die Erosion der Anteile konnte das Allianz-Portal nicht aufhalten.

Im September nun soll es ganz geschlossen werden. Künftig bleibe den Kunden vorerst nur noch eine wesentlich teurere Police. Die könne auch über die normale Allianz-Website abgeschlossen werden - und werde voraussichtlich kaum zehn Prozent unter dem Standardpreis liegen, berichtet die "FTD". Im Billigsegment wolle der Konzern europaweit mit einem neuen Anbieter auftreten, der aber auf keinen Fall die Marke Allianz verwenden soll.

Für bereits bestehende Allianz24-Kunden ändert sich nach Angaben einer Sprecherin nichts, ihre Verträge würden weitergeführt. Künftig sollen die Kunden der Allianz zwischen drei preislich gestaffelten Varianten wählen können, wie die Sprecherin ankündigte: den Abschluss einer Versicherung direkt und ohne Beratung im Internet, den Abschluss online bei einem Allianz-Vertreter und den Abschluss persönlich beim Vertreter. Je mehr Beratung ein Kunde also wünscht, desto mehr muss er dafür bezahlen.

"Der klassische Konflikt der Vertriebskanäle spielt dabei eine große Rolle", kommentierte der Allianz-Sprecher die strategische Neuausrichtung. Damit bezog er sich auf den anhaltenden Widerstand der 10.000 Allianz-Vertreter. Sie hatten sich vehement gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Haus zur Wehr gesetzt, die mit Preisen von 20 Prozent bis 30 Prozent unter den regulären Angeboten auftrat.

ssu/dpa/ddp



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