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Interview »Schlimmster Winter der Geschichte«

EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni, 67, warnt vor wirtschaftlichen Turbulenzen.
aus DER SPIEGEL 37/2022
EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni

EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni

Foto: AP

SPIEGEL: Herr Gentiloni, die hohen Energiepreise bremsen die Konjunktur. Droht der EU die Rezession?

Gentiloni: Das kann niemand ausschließen. Die aktuelle In­flation wird unsere Wirtschaft in Turbulenzen stürzen, und der kommende Winter könnte einer der schlimmsten der Geschichte werden. Wir erleben eine so noch nie dagewesene Unsicher­heit. Aber die Zahlen für die EU-­Wirtschaft als Ganzes sind nach wie vor positiv, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist gut.

Aus: DER SPIEGEL 37/2022

Die Jahrhundertkönigin

Sie hat 14 Frauen und Männer zum Premier ernannt. Niemand außer Ludwig XIV. saß in Europa länger auf dem Thron als Großbritanniens Queen Elizabeth II. Mit ihrem Tod nach 70 Jahren Regentschaft endet eine Epoche. Was für ein König wird ihr Sohn Charles III.?

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SPIEGEL: Muss Europa Energie rationieren?

Gentiloni: Das hängt davon ab, welche Entscheidungen Russlands Präsident Wladimir Putin trifft und wie wir uns selbst ver­halten. Einsparungen von Ener­gie sind schon jetzt notwendig. Zwar sehen wir gute Entwick­lungen beim Füllen der Gas­speicher und beim Sparen von Energie. Aber die Lage in den EU­-Staaten ist sehr unterschied­lich, in einigen könnten Ratio­nierungen notwendig werden.

SPIEGEL: Der IWF fordert einen Krisentopf nach dem Vorbild des Wiederaufbaufonds.

Gentiloni: Zunächst sollten wir uns bemühen, unsere exis­tierenden Kriseninstrumente auszuschöpfen und an die neue Lage anzupassen, etwa den Wiederaufbaufonds. Dabei haben wir noch einigen Spiel­raum. Wenn sich der ökonomi­sche Abschwung indes verschär­fen und auf den Arbeitsmarkt durchschlagen sollte, müssen wir neu nachdenken. Dann könnte es nötig werden, weitere konjunkturpolitische Maß­ nahmen in Betracht zu ziehen.

SPIEGEL: Viele Experten wollen grüne und digitale Investitionen von den Schuldenregeln ausnehmen. Eine gute Idee?

Gentiloni: Eine entsprechende Regel zu finden wird nicht leicht. Klar ist aber, dass wir Anreize benötigen für mehr Investitionen in die strategischen Felder unserer Politik. Dazu gehören die grüne und die digi­tale Transformation, aber es gibt noch andere Felder, auf die einige Mitgliedstaaten hinwei­sen, etwa die Verteidigung.

msa
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