Interview mit PR-Profi Ahrens "Hunzinger schadet Politikern mehr, als er ihnen nützt"

Rupert Ahrens, Präsident des PR-Verbandes GPRA, distanziert sich von seinem vermeintlichen Kollegen Moritz Hunzinger. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE bezeichnet er dessen Geschäftsmodell als "hoch problematisch".

SPIEGEL ONLINE:

Herr Hunzinger ist kein Mitglied in Ihrem Verband, warum nicht?

Rupert Ahrens: Er hatte bisher nie um eine Mitgliedschaft gebeten, und er würde aber auch nicht die Voraussetzungen dafür erfüllen.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Ahrens: Seine Firma ist im Kern keine PR-Agentur. Er verküpft Kontaktmanagement mit Lobbyismus für die Wirtschaft. Das ist mit unseren Branchenregeln in weiten Teilen nicht vereinbar. Bei uns geht es ja gerade darum, mehr Öffentlichkeit für bestimmte Themen herzustellen und eben nicht verdeckte Treffen zu arrangieren.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es bei Ihnen Regeln, die beispielsweise das Einfädeln von Kontakten zwischen Politikern und Rüstungslobbyisten verbieten?

Ahrens: Es ist natürlich überhaupt nicht illegitim, solche Kontakte herzustellen, nur sollte dies nicht als PR verstanden werden. Das Problem im Fall Scharping ist die Verbindung zweier Mandate, die einen Interessengegensatz darstellen. Herr Scharping bekommt kostenlose Beratungsleistungen und erhält weitere Zuwendungen. Dafür erwartet Herr Hunzinger natürlich eine Gegenleistung, nämlich dass er ihm gewisse Wirtschaftslobbyisten zuführt. Dadurch ist der Verteidigungsminister befangen, und das ist das Kernproblem.

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie die Art, mit der Moritz Hunzinger momentan mit Journalisten umgeht?

Ahrens: Das ist die Art, mit der sich Herr Hunzinger immer in der Öffentlichkeit darstellt: Beziehungsmanager und Wirtschaftslobbyist. Eine solche Betätigung, bei der öffentliche und private Interessen kommerziell miteinander verknüpft werden, halte ich allerdings für hoch problematisch.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden also einem Politiker empfehlen, besser gar nichts mit Herrn Hunzinger zu tun zu haben?

Ahrens: Das hätte ich immer schon getan. Wie wir schon bei mehreren Politikern wie Herrn Bangemann gesehen haben, schadet Herr Hunzinger Politikern mehr, als er ihnen nützt. Und nun der Super-GAU mit Herrn Scharping. Dessen Schaden ist doch nicht mehr zu überbieten.

Das Interview führte Carsten Matthäus 

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