Interview mit Stefan Edberg "Richtig viel Geld verloren habe ich nicht"

Er kämpfte gegen Boris Becker, gewann sechs Grand-Slam-Titel und führte 72 Wochen die Weltrangliste an. Inzwischen arbeitet Ex-Tennisprofi Stefan Edberg in seiner eigenen Vermögensverwaltung. Im Interview mit "Das  Investment" erklärt er, warum Geldanlegen viel schwieriger ist als Tennisspielen.

Stefan Edberg: Vor allem Vermögende legen ihr Geld bei der Tennis-Legende an
Karen Schmidt

Stefan Edberg: Vor allem Vermögende legen ihr Geld bei der Tennis-Legende an


Frage: Sie sind vom Tennisspieler zum Finanzprofi geworden - wie kam es dazu?

Edberg: Als professioneller Tennisspieler verdient man in kurzer Zeit viel Geld. Bei mir waren es in den 13 Jahren meiner Profi-Karriere etwa 20 Millionen Dollar. Während meiner aktiven Zeit habe ich die Anlage meines Vermögens anderen überlassen, gerade als junger Spieler konzentrierst du dich nur auf den Sport. Du trainierst, isst und schläfst. Mehr nicht. Dabei habe ich mich eigentlich immer für Finanzen interessiert. Nach meinem Karriereende habe ich deshalb beschlossen, mich selbst zu kümmern. Ich fing an, mich zu informieren, las Wirtschaftsseiten im Internet. Ich wollte herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, Geld anzulegen.

Frage: Haben Sie sich jemals verzockt?

Edberg: Richtig viel Geld verloren habe ich nicht. Anders als auf dem Tennisplatz bin ich beim Geldanlegen nicht aggressiv, sondern eher vorsichtig. Aber seit der Dotcom-Blase, bei der ich doch recht stark in Aktien investiert war, glaube ich an Diversifikation. Und in der jetzigen Krise bin ich damit bisher ganz gut gefahren.

Frage: Wie legen Sie Ihr Geld an?

Edberg: Ich lebe in Växjö auf einem eigenen Bauernhof mit Waldstück, bei dem ich die Felder verpachte. In der Nähe habe ich außerdem Mietshäuser gekauft. Recht viel Geld habe ich auch in Unternehmensanleihen gesteckt, vor allem aus Schweden. In der aktuellen Schuldenkrise fühle ich mich auf jeden Fall wohler dabei, einer gut aufgestellten schwedischen Bank mein Geld zu geben, als in Staatsanleihen zu investieren.

Frage: Einen Teil Ihres Vermögens haben Sie auch in die Fonds Ihrer Vermögensverwaltung Case Asset Management gesteckt.

Edberg: Richtig. Ich habe Case 2004 zusammen mit den ehemaligen Hedgefonds-Managern Bo Pettersson und Fredrik Svensson gegründet. Pettersson kenne ich seit über 20 Jahren, er hat in den achtziger Jahren einen Teil meines Vermögens verwaltet und mir viel zum Thema Geld beigebracht. Jetzt habe ich den Dreh raus und darf als Partner mitreden, wenn es um Anlageentscheidungen geht. Auf der einen Seite haben wir den Case-Fonds, der hauptsächlich auf Aktien ausgerichtet ist. Auf der anderen Seite gibt es Safe Play, der den Fokus auf Unternehmensanleihen legt. Und Fair Play liegt dazwischen und mischt Aktien und Unternehmensanleihen. Bei allen drei Produkten gilt aber: Wir bleiben bei Unternehmen aus Nordeuropa.

Frage: Wegen der Schuldenkrise, die die nördlichen Länder nicht so stark trifft?

Edberg: Das ist auch ein Grund. Aber darüber hinaus sehen wir hier und vor allem in Schweden viele gute Anlagemöglichkeiten. Der schwedische Bond-Markt ist im Vergleich zum deutschen winzig. Außerdem gibt es die Anleihen nur "over the counter", also außerhalb der Börse. Das heißt, man braucht gute Kontakte - und Geld. Anders als bei Aktien, die man für recht wenig Einsatz bekommt, muss man für Anleihen hier mehrere Hunderttausend Euro hinlegen. Das kann nicht jeder, da sehen wir unseren Mehrwert.

Frage: Wer sind Ihre Investoren?

Edberg: Vor allem vermögende Privatleute. Dazu gehört auch Stefan Persson, Präsident von Hennes & Mauritz, er ist Miteigentümer von Case. Rund 450 Millionen Euro verwalten wir derzeit. Weil wir gerne weiter wachsen wollen, haben wir uns in den vergangenen Monaten aber auch für kleinere Geldbeutel geöffnet. Ab 500 Euro darf man einsteigen.

Frage: Gilt das auch für deutsche Investoren?

Edberg: Die Fonds sind schwedische Spezialfonds, deshalb machen wir in Deutschland keine Werbung dafür. Wenn aber jemand aus Deutschland einsteigen will, geht das.

Frage: Gibt es Charakterzüge eines Profi-Tennisspielers, die ihnen heute in der Vermögensverwaltung helfen?

Edberg: Als Sportler ist man daran gewöhnt, immer hart zu arbeiten, sieben Tage die Woche. Dazu kommen Disziplin und Entschlusskraft - das schadet sicherlich nicht. Aber Tennis ist im Vergleich viel einfacher. Man hat klare Regeln: Es gibt eine Grundlinie, und der Ball ist entweder drin oder im Aus. Im Finanzgeschäft ist das anders. Es gibt viel mehr Spielraum, man muss verhandeln, hängt mehr von anderen Leuten ab. Das musste ich erst mal lernen.

Frage: Spielen Sie heute noch?

Edberg: Ja, jede Woche, aber natürlich auf einem anderen Niveau als früher. Ich liebe Tennis, es ist die beste Art, sich fit zu halten.

Das Gespräch führte "Investment"-Redakteurin Karin Schmidt



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sorum11 02.10.2011
1. Gentleman
Wie fast alle schwedischen Spieler damals (Wilander, Nyström, Svensson, Järryd..) ein wahrer Gentleman und Ästhet. Noch heute spielt er auf Show-Events leichtfüßig wie damals und weist einen trägen, dicken Becker in die Schranken, immer wieder lustig anzusehen. Im Gegensatz zu gewissen anderen Luftnummern vertraue ich Edberg sehr.
spon-1277755831106 02.10.2011
2. Respekt vor den Schweden
Als Spieler mochte ich den Edberg nicht besonders, auch, weil er ja ziemlich oft den Boris besiegt hat. Wenn ich mir heute den B.B. so anschaue, der ja wirklich nur maximal auf einer Stufe mit Lothar Matthäus steht, wünsche ich mir, Gentleman Edberg hätte ihn noch häufiger besiegt. Die schwedischen Ex-Profis können alle tatsächlich auch menschlich überzeugen.
Kassian 02.10.2011
3. .
Es ist erfreulich zu sehen das auch Ex-Sportprofis sich nicht nur im Ruhm ihrer glanzvollen Vergangenheit sonnen, sondern erfolgreich etwas neues in ihrem Leben beginnen. Das wünscht man sich häufiger zu lesen.
Nonvaio01 03.10.2011
4. Ja so wie Bjoern Borg
Zitat von spon-1277755831106Als Spieler mochte ich den Edberg nicht besonders, auch, weil er ja ziemlich oft den Boris besiegt hat. Wenn ich mir heute den B.B. so anschaue, der ja wirklich nur maximal auf einer Stufe mit Lothar Matthäus steht, wünsche ich mir, Gentleman Edberg hätte ihn noch häufiger besiegt. Die schwedischen Ex-Profis können alle tatsächlich auch menschlich überzeugen.
der ist auch ein echter Gentelmen..... BB past evtl nicht in das Schema in D, aber in England ist er einer der meist begehrten Tennis experten. Arbeitet fuer die BBC bei Wimbledon, unterstuetzt meherere jugend projekte und ist ein oft gesehener Gast in Talkshows. In D wurde er nie richtig respektiert, darum macht er nicht mehr viel in D.
kojak2010 03.10.2011
5. ...
Zitat von sysopEr*kämpfte*gegen*Boris Becker, gewann sechs Grand-Slam-Titel und*führte 72 Wochen die*Weltrangliste an. Inzwischen arbeitet Ex-Tennisprofi Stefan Edberg in seiner eigenen Vermögensverwaltung. Im Interview mit "Das* Investment" erklärt er, warum Geldanlegen viel schwieriger ist als Tennisspielen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,788811,00.html
Edberg verwaltet einen eigenen Fond. Boris Becker macht für Praktiker Werbung. Muss man mehr sagen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.