Investitionsstau Opelaner bangen um Bochum-Werk

Die Opel-Arbeitnehmer drängen auf staatliche Hilfe für den Autobauer. Ohne frisches Kapital drohe vor allem dem Standort Bochum das Aus. Das Werk benötigt Investitionen in Millionenhöhe.


Bochum/Berlin/New York - Die IG Metall und der Bochumer Opel-Betriebsrat machen Druck: Die Arbeitnehmervertreter fordern vehement eine Staatsbürgschaften für die deutsche General-Motors-Tochter, um damit notwendige Modernisierungen zu finanzieren.

Opelproduktion in Bochum: "Schnell in trockene Tücher"
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Opelproduktion in Bochum: "Schnell in trockene Tücher"

Allein das Bochumer Werk benötige für seine neuen Modellreihen 420 Millionen Euro an Investitionen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Ohne Zukunftsinvestitionen sei das Aus für Bochum vorprogrammiert. In diesem Fall seien 6000 Jobs in Bochum und bis zu 25.000 Jobs in der nordrhein- westfälischen Zulieferindustrie akut gefährdet.

NRW-IG-Metall-Chef Oliver Burkhard sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ): "Das Land NRW ist jetzt in der Verantwortung. Wir brauchen schnelles, entschlossenes Handeln, damit die 420 Millionen Euro Zukunftsinvestitionen schnell in trockene Tücher kommen." Wenn der bedrohte Mutterkonzern General Motors Chart zeigen die zugesagten Investitionen nicht mehr leisten könne, müsse Opel Kredite aufnehmen, für die dringend Staatsbürgschaften benötigt würden.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte eine Bürgschaft bereits in Aussicht gestellt. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte gestern, der Bund prüfe eine Bürgschaft für Opel in Milliardenhöhe. Nach WAZ-Informationen tragen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC) derzeit alle Unterlagen zusammen, die Bund und Länder für die Genehmigung einer Bürgschaft benötigen.

Opel hatte die Bundesregierung Mitte November um Hilfe gebeten. Die Regierung hatte angekündigt, sie wolle bis Weihnachten über eine Bürgschaft entscheiden. Der deutsche Hersteller steht unter Druck, weil dem US-Mutterkonzern General Motors angesichts horrender Verluste die Pleite droht. GM hatte deswegen die US-Regierung um einen Überbrückungskredit zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar gebeten.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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Nachdem die milliardenschwere Hilfspläne für die angeschlagene US-Autoindustrie jüngst jedoch in Washington scheiterten, hatte der amerikanische Kongress den größten drei Konzernen in der vergangenen Woche ein Ultimatum gestellt. Die Chefs von GM, Ford Chart zeigen und Chrysler erhielten bis Anfang Dezember eine Frist, um die Abgeordneten von der Notwendigkeit neuer Zuschüsse aus der Steuerkasse zu überzeugen. Dazu sollen sie nun eine Strategie über die Verwendung der verlangten Hilfen über 25 Milliarden Dollar vorlegen.

General Motors erwägt einem Medienbericht zufolge nun den Verkauf von vier Automobilmarken, um an milliardenschwere Regierungskredite zu gelangen. Dazu zählten Pontiac, Saab, Saturn und Hummer, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Das GM-Direktorium wolle den Vorschlag am 30. November und 1. Dezember beraten. Bei GM war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erhalten. Zu GM gehören in den USA ferner die Marken Buick, Cadillac, Chevrolet und GMC.

suc/dpa-AFX/Reuters

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