Digitale Anlageberater Robo, leg mein Geld an

Geldanlage ist kompliziert, ein Berater aus Fleisch und Blut kostet viel Geld. Manche Banken bieten die Dienste von Robo-Advisors an, also Software, die beim Anlegen hilft. Ist man damit gut beraten?

Virtuell beraten: Finanzen als Computerspiel
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Virtuell beraten: Finanzen als Computerspiel

Ein Kolumne von


Sie sind nicht mehr der allerneueste Schrei, die Robo-Advisor. Aber immer noch ein Angebot, das viele Menschen nicht kennen oder nicht richtig verstehen. Die digitalen Helfer kommen von jungen Start-ups oder hippen Tochtergesellschaften der Banken: Anstelle des Bankberaters rät eine Software zu einer bestimmten Geldanlage und legt das Geld automatisch an. Auf dass die Rendite ordentlich sein möge - und wenig Kosten entstehen.

Lebenspraktisch zielen diese Angebote auf eine große Klientel von Anlegern: Irgendwo zwischen dem typischen Bankkunden und dem selbstständigen Anleger.

Die klassische Anlage in der Bank kostet ja gleich mehrfach: Da gibt es immer den Berater, der zum Beispiel rät, welche Fonds der Kunde kaufen soll. Er kassiert anschließend für die Bank Kaufprovisionen (Ausgabeaufschläge) und sorgt mit den richtigen Fonds einer Banktochter dafür, dass die Bank von der Managementgebühr der Fondsmanager einen guten Teil abbekommt.

Zählen wir mal alle Kosten zusammen: 2 bis 5 Prozent des Kaufbetrags beim Fonds gehen als sogenannter Ausgabeaufschlag gleich zu Anfang weg. Dazu kommen laufende Kosten: Die jährlichen Managementgebühr der Aktienfonds von anderthalb bis zwei Prozent. Plus Gebühren für die Depotführung bei der Hausbank.

Der selbstständige Anleger wählt stattdessen seine Fonds bei einem Online-Broker allein aus, also ohne Beratung. Die einfachste und kostengünstigste Geldanlage Marke Eigenbau besteht aus einem kostenlosen Tagesgeldkonto, das vielleicht sogar ein halbes Prozent Zinsen abwirft und dem kostenlosen Wertpapierdepot, in dem günstige Aktienindexfonds (ETFs) liegen, die den weltweiten Index Aktien MSCI World oder MSCI All Countries abbilden und meist bis 0,4 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr verlangen. Wer einmalig in Indexfonds investieren will, zahlt bei günstigen Brokern wie Flatex oder Onvista 6,75 Euro beziehungsweise 7 Euro - ganz egal, wie viel Geld angelegt wird.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Und irgendwo dazwischen liegen die Robo-Advisor, zumindest die günstigen unter ihnen. Die, die wir empfehlen, kosten deutlich unter einem Prozent der Anlagesumme im Jahr: Das ist also die Hälfte der Kosten bei der Hausbank, aber doch mehr, als eine gute selbstorganisierte Geldanlage kostet.

Dabei gibt es auch von den Robo-Advisors im Prinzip zwei Modelle: aktive und passive.

Die aktiven Robo-Advisors sagen: Lieber Kunde, Du machst uns Vorgaben, wie viel Risiko du willst und wie viel virtuelle Verluste du zwischendrin maximal ertragen kannst, und dann managen wir permanent mit preisgünstigen Indexfonds das Geld nach deinen Vorgaben, für den einen riskanter, für den anderen weniger riskant.

Dazu werden die Märkte ständig beobachtet. Ob die Firmen mit ihren Programmen und Algorithmen damit die besten Entscheidungen treffen, muss sich erst noch zeigen.

Erste Ergebnisse laufen von der Rendite noch ziemlich weit auseinander

Die anderen Robos arbeiten eingeschränkter. Sie lassen sich von den Kunden ebenfalls mit einem Fragebogen erklären, wie viel Risiko sie wollen und welchen Verlust sie zwischendrin ertragen können, leiten daraus aber eine feste Zusammensetzung des Depots ab, also zum Beispiel 50 Prozent Aktien und 50 Prozent in weniger riskanten Anlagen - oder 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sonstiges. Und sie sorgen dann mit Käufen und Verkäufen dafür, dass dieses Risikoprofil eingehalten wird. Meist schichten sie wenige Male im Jahr die Anlagen um, so dass wieder die gewünschte Verteilung zwischen Aktien und weniger riskanten Anlagen hergestellt ist.

Bei den ersten wird man den Erfolg erst nach etlichen Jahren beurteilen können. Marktführer Scalable, mit inzwischen über eine Milliarde Euro angelegtem Kapital, verfolgt diese Strategie, auch Robo-Töchter der Deutschen Bank und der Comdirect. Erste Ergebnisse laufen von der Rendite noch ziemlich weit auseinander. Viel Erfahrung gibt es halt noch nicht: Die Robos kommen erst seit 2013 auf den Markt.

Bei den zweiten liegt der Erfolg vor allem in einer günstigen Abwicklung meiner konkreten Vorstellung, das kann ich schneller sehen. Deswegen würde ich beim zweiten Modell heute schon Empfehlungen aussprechen, anders als beim ersten.

Bei Quirion, der Robo-Tochter der Quirin-Bank sind schon 200 Millionen Euro so angelegt, auch das Start Up Growney macht das gut. Wenn man ganz ohne Fragebogen schon selbst weiß, wie die Zusammensetzung des Depots aussehen soll und nur die technische Umsetzung von der Backe haben will, bietet die Weltsparen-Tochter Weltinvest ein solches Angebot. 100 Millionen sollen nach Angaben der Firma schon angelegt sein.

"Digitales Händchenhalten"

Doch die Preispolitik allein erklärt die Aufmerksamkeit für die ganzen Robo-Modelle nicht. Verantwortlich ist vielmehr die Doppelrolle der klugen Vermarkter der Robo-Advisor: Sie wissen ganz genau, dass der Robo neben dem Handwerk der Geldanlage nach wie vor eine seelsorgerliche Funktion hat.

Er nimmt uns Anlegern die Verantwortung ab, für den Fall, dass es nicht so gut läuft. Denn läuft es nicht, ist für den Kunden die Robo-Firma schuld, keineswegs seine eigene Vorgabe.

Diese Funktion hatten von je her die Bankberater - die Robo-Advisor übernehmen sie nun weit preiswerter. Ein Geschäftsführer eines großen Robo-Advisors spricht in vertrauter Runde vom "Digitalen Händchenhalten".

Mein Fazit: Ich persönlich würde mir ja den Robo sparen und ein Tagesgeldkonto und ein kostenloses Depot einrichten. Das Geld würde ich dort in einen weltweit investierenden Aktienindexfonds deponieren - oder auch in zweien. Die Kosten für das Modell beschränken sich auf die 0,3 oder 0,4 Prozent Verwaltungskosten des Aktienindexfonds und die Kaufkosten für den Indexfonds.

Selbst die günstigsten Robos wären noch deutlich teurer. Hier mal eine kleine Musterrechnung zur Dimension: 30.000 Euro über 15 Jahre angelegt beim Robo-Advisor - komplett in Index-Aktienfonds - bringen bei 6 Prozent persönlicher Rendite (7 Prozent Kapitalmarktrendite minus 1 Prozent Kosten) am Ende 71.900 Euro (immer ohne Steuern gerechnet).

Nimmt man dagegen an, dass von den 7 Prozent Kapitalmarktrendite beim Do-it-yourself Modell nur 0,3 Prozent Verwaltungsgebühr abgehen, kommen gut 79.350 Euro zusammen. Also 7450 Euro mehr.

Das klassische Hausbank-Modell mit den zwei Prozent Kosten und also nur 5 Prozent Rendite hätte nur knapp 62.370 Euro eingebracht.

Also: Wem das Selbermachen zu mühselig ist, oder wer sich die Entscheidung für den richtigen Fonds nicht zutraut, der fährt mit einem guten Robo-Advisor so schlecht nicht. Jedenfalls deutlich besser als mit der klassischen Geldanlage bei der Bank. Entscheiden Sie selbst!



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
harke 30.03.2019
1. Zeit
Wer meint, sich keine Zeit nehmen zu müssen für seine Geldanlage, sollte das Geld lieber verprassen. Wer nicht weiß, in was er investiert, den bemitleide ich nicht, wenn das Geld weg ist.
foamberg 30.03.2019
2.
(9) von 10 bankberatern haben vonn geldanlagen keine ahnung! böse zungen behaupten 10 von 10! ;-)
lahozdeoro 30.03.2019
3. Wieso böse Zungen...
Ich glaube nicht, dass die Bankberater keine Ahnung haben. Sie haben aber ganz offensichtlich Vorgaben, was sie verkaufen sollen oder sie wissen, wofür sie die höchste Provision bekommen. Meine letzte Erfahrung mit einem Bankberater ist über 20 Jahre her, aber es war so klar, dass er nur bestimmte Produkte verkaufen wollte, auf andere Fragen ging er gar nicht ein.
Objectives 30.03.2019
4. Unglaublich was Filialbanken ihren Kunden verkaufen
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Filialbanken ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen für miserabel laufende Fonds mit hohen Kosten. Ich habe mich vor Jahren dazu entschieden, meine Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen und mich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen. Mein Anlagehorizont ist mit 10-20 Jahren ausreichend lang. Bisher läuft es nahezu optimal. In den vergangenen Jahren waren zweistellige Renditen im Schnitt drin. So muss es natürlich nicht weiter gehen, aber im Zeitalter niedriger Zinsen, sehe ich für mich als langfristigen Anleger kaum nennenswerte Alternative. Eine hohe Aktienquote und der Rest in Cash, damit fährt man momentan relativ gut.
eunegin 30.03.2019
5. selbst ist der Mann (oder die Frau)
200 Stunden im Monat verbringen wir damit, unser sauer verdientes Salär zur erwirtschaften und unzählige Stunden mit Unsinn und Geldausgeben. Warum finden es dann so viel unmöglich, ein, zwei Stunden im Monat damit zu verbringen, das Geld zu verwalten / zu investieren und sich etwas zu bilden. Ein bisschen Information, ab und zu den Wirtschaftsteil lesen und dann ein paar Entscheidungen treffen. Nicht schwer. Und aus eigener Erfahrung besser als irgendeinem halbgebildeten Sparkassenangestellten zu vertrauen, dem die Bank natürlich näher ist als der Kunde.
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