Investoren machen Druck Tropenwald in der CargoLifter-Halle?

Luftschiff-Fans und Altaktionäre toben, doch die Investoren drücken aufs Tempo: In der gigantischen CargoLifter-Halle in Brand soll bereits im Herbst 2004 der größte überdachte Regenwald der Welt sprießen, verspricht ein britisch-malayisches Konsortium.


Cargolifter-Werfthalle: Für manche ist es eine teure Industrieruine. Für andere der ideale Standort für den "größten Indoor-Regenwald der Welt
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Cargolifter-Werfthalle: Für manche ist es eine teure Industrieruine. Für andere der ideale Standort für den "größten Indoor-Regenwald der Welt



Berlin/Brand - Es gibt Immobilien, die ziehen phantasiebegabte Zeitgenossen an wie der Dschungel den Affen. Mangel an Einfallsreichtum jedenfalls kann selbst der bitterste Ex-Aktionär dem alten CargoLifter-Team um Vorstandschef Carl von Gablenz nicht ankreiden. Und nun, über ein Jahr nach der Insolvenz des Luftschiffbauers, der nie ein Luftschiff baute, sprießen in Brand wieder bizarre Blüten: Brandenburgs größte Industrieruine, 360 mal 210 mal 107 Meter groß, soll zu einem Monstergewächshaus mutieren.

Gut anderthalb Wochen ist es her, dass sich der Gläubigerausschuss diesen Plan eines Investorengruppe um Colin Au und den britisch-malaysischen Lotterie- und Energiekonzern Tanjong aussprach. Sie will die gigantische Halle im märkischen Sand nutzen, um eine Tropenwelt mit Dschungel, Stränden und Palmen zu erschaffen. Das Vorbild für den Tropen-Park: Das "Eden Project" im südenglischen Cornwall. Rund 120 Millionen Euro will das Konsortium investieren, das am Montag in Berlin seine Absichten erstmals im Detail erläuterte.

"Der schleichende Tod"

Möchtegern-Investor Colin Au hält die Chancen, den Vertrag mit dem Insolvenzverwalter anzuschließen, für sehr gut. Sollte es dazu kommen, solle die Baugenehmigung schnell beantragt werden, damit der Umbau der Halle im Januar beginnen können. Bereits im Oktober sollen Besucher der Halle auf Dschungelpfaden wandern - und vielleicht auch schon in den geplanten Fünf-Sterne-Hotels in der Nachbarschaft nächtigen. Zunächst könnten durch das Tropenprojekt 500 Arbeitsplätze entstehen, versprechen Au und Kollegen.

Gewächshaus-Simulation: Nachts um eins unter Kokospalmen bräunen
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Gewächshaus-Simulation: Nachts um eins unter Kokospalmen bräunen

"Wir werden 800 Liegestühle aufstellen und etwa 100 verschiedene Orchideensorten haben", kündigte Au an. Ein gläsernes Dach und starke Lichtstrahler sollen Sonnenschein rund um die Uhr garantieren. "Sogar wer bis nachts um ein Uhr arbeitet, kann noch zu Tropical Island kommen, unter Kokospalmen liegen und sich vor dem Schlafengehen noch hübsche Sonnenbräune holen." Au hofft auf jährlich drei Millionen Besucher, verzichtet auf öffentliche Fördermittel und will mit dem Projekt in etwa fünf Jahren Gewinn machen.

Ob das Vorhaben realistischer ist als der Plan, riesenhafte Last-Luftschiffe zu konstruieren, könnte sich also bald herausstellen - der Vertragsabschluss wird für Mitte Juli angepeilt. Angeblich liegt der angestrebte Kaufpreis bei rund 20 Millionen Euro, Au nannte keine konkrete Summe. Sollten die Investoren jedoch im Dezember keine Baugenehmigung erhalten, wollen sie aus dem Vorhaben aussteigen. CargoLifter-Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning jedenfalls zeigt sich begeistert von der Tropen-Idee, auch Ministerpräsident Platzeck soll angetan sein.

Ganz im Gegensatz zu Gablenz, dem verbliebenen CargoLifter-Management und der Initiative "Zukunft in Brand", in der sich linientreue Altaktionäre und Anhänger der Luftschiff-Visionen versammelt haben. Sie fordert weiterhin, die Halle zum Zentrum für Leichter-als-Luft-Technologie auszubauen - und moniert, in der strukturschwachen Region bestehe gar kein Bedarf für teure Tourismus-Experimente. Das Gewächshaus-Projekt, so die letzen CargoLifter-Jünger auf ihrer Internet-Seite, sei der "der schleichende Tod für die größte freitragende Halle der Welt".

Investor Au lässt sich nicht beirren, denkt schon an neue Superlative - und ist Gablenz damit vielleicht gar nicht so unähnlich. Au verkündet: "In 50 Jahren werden wir den höchsten Tropenbaum der Welt höchstwahrscheinlich hier in Berlin haben."



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