iPod-Fieber Apple-Aktie auf Vierjahreshoch

Seit Monaten warnen Skeptiker, der Kursanstieg der Apple-Aktie sei mit fundamentalen Daten nicht mehr zu rechtfertigen. Die Investoren kümmert das wenig - sie treiben das Papier auf ein 48-Monatshoch.

Cupertino/New York - Einige Aktienanalysten lassen ob der fortwährende Rallye an der Technologiebörse Nasdaq   alle Zurückhaltung fahren. Das Investmenthaus Piper Jaffray hob am Montagabend sein Kursziel für die Aktie des US-Computerherstellers Apple   von 52 Dollar auf nunmehr 100 Dollar an. Das Papier schoss daraufhin um bis zu elf Prozent in die Höhe und notierte zwischenzeitlich bei 61,35 Dollar.

Nach Berechnungen des Piper-Analysten Gene Munster planen 13 Prozent aller in einer Erhebung befragten iPod-Nutzer, in den kommenden Monaten einem Macintosh-Computer zu kaufen oder haben dies bereits getan. Strategen aus Cupertino hoffen seit längerem auf diesen so genannten Heiligenschein-Effekt: Das gute Image des Musikplayers iPod soll auf die Computersparte ausstrahlen. Apple kämpft seit Jahren mit einem sinkenden Marktanteil bei PCs.

In der Werbekampagne für den neuen iMac wirbt Apple denn auch mit dem Slogan "Von den Machern des iPod" und bildet seinen Digital-Walkman zusammen mit dem Desktop-Computer ab. Bisher gab es allerdings kaum Indizien, dass die Heiligenschein-Strategie aufgeht. Piper-Analyst Munster hat auf Basis seiner Umfragedaten nun errechnet, dass die Zugkraft des iPod den Absatz von iMacs und Power Macs um 6,5 Prozent steigern wird.

Für das im Dezember endende Quartal erwartet Munster bei Apple einen Umsatz von 3,23 Milliarden Dollar. Bisher war Piper Jaffray von 2,86 Milliarden ausgegangen. Der Absatz des iPod wird sich nach Ansicht des Analysten von Quartal zu Quartal verdoppeln und demnächst vier Millionen Einheiten erreichen. Das entspräche einem Plus von 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Konservativen Anlegern wird bei einer Betrachtung des Apple-Charts schwindelig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beläuft sich inzwischen auf 77,8. Zu deutsch: Anleger müssten unter Zugrundelegung eines stabilen Kurses fast 78 Jahre den Gewinnanteil kassieren, der ihnen als Eignern theoretisch zusteht, um bei Null herauszukommen. Apple ist jetzt 2,6-mal so hoch bewertet wie der Rest der amerikanischen Technologiebranche, die auch nicht gerade billig ist.

Die Marktkapitalisierung von Apple liegt derzeit bei etwa 21,56 Milliarden Dollar. Nach Munsters Berechnungen wird die Firma demnächst etwa 40 Milliarden wert sein. Der Analyst empfiehlt die Aktie   deshalb mit "Outperform". Ob man jemandem trauen sollte, der sich offensichtlich bisher um 18 Milliarden Dollar verschätzt hat, bleibt jedem selbst überlassen.

Thomas Hillenbrand