Irak-Geschäft 35 Konzerne wetteifern um sechs Ölfelder

Der Wettlauf hat begonnen: Nach mehr als 30 Jahren öffnet der Irak seinen Rohstoffreichtum für Ausländer - und hat jetzt Förderlizenzen für sechs weitere Ölfelder ausgeschrieben. Am Bieterverfahren beteiligen sich auffällig viele US-Firmen. Doch auch ein deutsches Unternehmen buhlt um einen Zuschlag.


Bagdad - 35 Ölfirmen, sechs Ölfelder, 1,5 Millionen Barrel Öl am Tag - das sind die Eckpunkte, die der irakische Ölminister am Montag vorgestellt hat. Er eröffnete damit das internationale Bieterverfahren, in dem es um Langzeitverträge für sechs Ölfelder und zwei Gasvorkommen geht. "Es ist ein wichtiger Schritt für den neuen Irak, dass wir das Bieterverfahren erstmals öffentlich und komplett transparent gestalten", sagte Hussein Shahrastani. Damit erlaube das Land erstmals seit über 35 Jahren ausländischen Ölfirmen im Irak Geschäfte zu machen.

Irakische Ölarbeiter in einer Raffinerie bei Basra: Anlagen alt und ineffektiv
AP

Irakische Ölarbeiter in einer Raffinerie bei Basra: Anlagen alt und ineffektiv

An der Ausschreibung beteiligen sich laut CNN alle großen Ölunternehmen, darunter BP, Shell Chart zeigen, Total Chart zeigen und Gasprom Chart zeigen. Auffällig hoch ist der Anteil von US-Firmen - allein sieben bewerben sich um die lukrativen Ölfelder bei Kirkuk im Nordirak. Aus Großbritannien kommen drei Bieterfirmen, aus China vier - und mit Wintershall ist auch ein deutsches Unternehmen vertreten.

Irak gehört mit geschätzten 115 Milliarden Barrel zu den Ländern mit den größten Ölreserven der Welt. Momentan fördert das Land laut der US-Energiebehörde 2,25 Millionen Barrel am Tag - was fast so viel ist wie vor dem Beginn der US-Invasion von 2003. Die sechs Ölfelder, für die jetzt geboten wird, werden schon ausgebeutet - allerdings sind die technischen Anlagen alt und ineffektiv. Er hoffe, dass mit der neuen Infrastruktur westlicher Firmen die "Produktion schneller und mit weniger Kosten gesteigert werden kann", sagte Ölminister Shahrastani.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen können die internationalen Firmen ihre Gebote abgeben. Die Verträge sollen dann spätestens im nächsten Jahr in Kraft treten. Allerdings werde es einige Jahre dauern, bis die Ölproduktion tatsächlich gesteigert werden könnte, sagte Shahrastani weiter. "Wir hoffen, dass wir durch diese erste Ausschreibung die Ölproduktion bis 2013 auf 1,5 Millionen Barrel am Tag steigern können."

Erst vergangene Woche hatte es erhebliche Unruhe wegen verschiedener Verträge gegeben, die das irakische Ölministerium angeblich ohne Ausschreibung an verschiedene Großkonzerne wie Exxon Mobil, Shell, Total und BP vergeben wollte. Die Verträge hätten eigentlich am Montag unterschrieben werden sollen, nach Protesten wurde die Unterzeichnung aber verschoben.

Mehrere US-Senatoren hatten sich in einem Brief an US-Außenministerin Condoleezza Rice gewandt und darum gebeten, die Verträge nicht zu unterschreiben. Die unfaire Vergabe könnte erneut zu Spannungen und Gewalt zwischen den unterschiedlichen religiösen und politischen Gruppen im Irak führen, hieß es laut CNN in dem Brief.

Unternehmen, die im Irak mitbieten

1. Anadarko Iraq Company, USA
2. BG International, Großbritannien
3. BHP Billiton Petroleum Pty Ltd., Australien
4. BP, Großbritannien
5. Chevron Iraq Ltd., USA
6. CNOOC China Ltd, China
7. CNPC, China
8. Conoco Phillips, USA
9. Edison International SPA, Italien
10. ENI, Italien
11. Exxon Mobil, USA
12. Hess Corporation, USA
13. Inpex Holding, Japan
14. Japex, Japan
15. JSC Gazprom Neft, Russland
16. Kogas, Südkorea
17. Lukoil, Russland
18. Maersk, Dänemark
19. Marthon International Petroleum Limited, USA
20. Mitsubishi Corporation, Japan
21. Nexen Inc. (International Oil & Gas Nexen Inc.), Kanada
22. Nippon Oil, Japan
23. Occidental Petroleum, USA
24. ONGC, Indien
25. Petronas, Malaysia
26. Pertamina, Indonesien
27. Premier, Großbritannien
28. Repsol, Spanien
29. Shell Iraq, Niederlande
30. Sinochem, China
31. Sinopic Group, China
32. Statoil Hydro, Norwegen
33. Total, Frankreich
34. Wintershall BASF, Deutschland
35. Woodside, Australien

Quelle: CNN

Tatsächlich wurde mit dem Bekanntwerden des Engagements erneut Kritik an der US-Politik laut. Seit der US-Invasion werfen arabische Länder und Kritiker der Bush-Regierung ihr vor, den Krieg nur begonnen zu haben, um sich den Zugriff auf Rohstoffvorräte zu sichern.

Angesichts des hohen Ölpreises verdienen die Konzerne derzeit viel Geld, suchen aber auch verzweifelt nach neuen Quellen. Mehrere Ölförderländer haben angekündigt, der Höhepunkt der Erdölförderung sei bereits erreicht. Für Exxon Mobil Chart zeigen, Shell, Total und BP kommt ein Engagement im Irak daher gerade recht. Die irakische Regierung ist daran interessiert, die Fördermenge im eigenen Land beträchtlich zu erhöhen. Da dem Land die technischen Möglichkeiten dazu fehlen, ist es auf ausländische Unternehmen angewiesen.

sam



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.