Iran-Atomstreit Experten warnen vor Preisexplosion beim Öl

Der Ölpreis setzt seinen Aufwärtstrend zum Wochenbeginn fort. Händler machen dafür vor allem den Streit über das iranische Atomprogramm verantwortlich. Selbst die Marke von 100 Dollar pro Barrel könnte im Falle einer Eskalation überschritten werden.


Tokio - Der Preis für US-Öl stieg am frühen Morgen auf 69,20 Dollar pro Barrel (1 Barrel = 159 Liter). Dies war der höchste Stand, seit im vergangenen September der Hurrikan "Katrina" über Teile der USA hinweggefegt war und die Ölförderung im Golf von Mexiko beeinträchtigt hatte.

Ölanlage in Iran: "Feinden die Hände abhacken"
AP

Ölanlage in Iran: "Feinden die Hände abhacken"

"Sehr wahrscheinlich wird der Markt die Marke von 70 Dollar testen, weil wir weder beim Iran noch bei Nigeria eine Besserung sehen", sagte Naohiro Niimura, Vizepräsident des Derivate-Geschäfts bei der Mizuho Corporate Bank in Tokio. Der Preis für die Marke Brent stieg um rund ein Prozent auf bis zu 67,11 Dollar je Barrel. Bereits am Freitag hatte sich die Sorte um 1,8 Prozent verteuert.

In Nigeria hatten Aufständische mit neuen Angriffen auf Einrichtungen der Ölindustrie des Landes gedroht. Nigeria ist der achtgrößte Ölexporteur weltweit. Größere Sorgen aber bereitet den Beobachten Iran. Westliche Länder verdächtigen das Land, heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Das Thema könnte vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kommen, der Sanktionen verhängen kann.

Iran als viertgrößter Ölproduzent der Welt hat in dem Streit eine Einschränkung seiner Ölexporte nicht ausgeschlossen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad rief die islamischen Staaten dazu auf, ihre wirtschaftliche Stärke als Waffe gegen den Westen einzusetzen. Ahmadinedschad erklärte: "Parallel zu dem politischen Krieg ist heute ein versteckter großer Wirtschaftskrieg im Gange, und die islamischen Staaten sollten ihr wirtschaftliches Potenzial nutzen."

Zuvor hatte Finanzminister Dawud Danesch-Dschafari gewarnt, Sanktionen gegen Iran könnten zu einem drastischen Anstieg der Ölpreise führen. Er bestritt aber Berichte, wonach Teheran aus Sorge vor Sanktionen bereits Milliarden Dollar von westlichen Banken abgezogen und nach Asien verlagert habe.

Experten warnen angesichts des drohenden Konflikts vor einer neuen Preisrunde. "Wenn Iran auch nur eine kleine Menge seines Öls aus dem Markt nimmt, erwarte ich einen Preis von über 100 Dollar pro Barrel", zitiert die Nachrichtenagentur AP James Bartis, Marktbeobachter beim US-Forschungsinstitut Rand Corp.

Allerdings könnten auch die Folgen für den Iran gravierend sein, zumal das Land auf die Petro-Dollars angewiesen ist. "Sie würden sich selbst in den Fuß schießen", sagt Mustafa Alani, Sicherheitsexperte beim Gulf Research Center in Dubai. Er verwies auf den hohen Erlösanteil der Ölausfuhren am iranischen Export. Dieser beläuft sich auf 80 Prozent.



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