Iran Ayatollahs bringen Anti-Barbie auf den Markt

Barbie ist eine schlimme Kulturimperialistin, die den Charakter der persischen Jugend verdirbt - das zumindest glauben Irans Moralwächter. Deshalb haben sie jetzt eine orientalische Version der Barbie produzieren lassen.


Sara und Dara: Züchtiger als die US-Blondine
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Sara und Dara: Züchtiger als die US-Blondine

Teheran - "Ich will eine blonde Barbie-Puppe, die sind genau wie Filmstars, und ich wäre auch gerne eine Barbie", sagt die siebenjährige Dalia aus Teheran. Sätze wie dieser dürften den iranischen Revolutionswächtern die Zornesröte ins Gesicht treiben. Denn Barbie, die "All-American-Blonde" ist nicht gerade die Art von Vorbild, das sich die persischen Ayatollahs für junge Mädchen wünschen.

Deshalb hatte die Islamische Republik Iran die von der US-Firma Mattel hergestellte Barbie bereits im Jahr 1996 für "unislamisch" erklärt und einen Verkaufsstopp angeordnet. Genutzt hat es nichts: Die langbeinige Blondine ist in Teheran nach wie vor erhältlich und gilt als Renner. "Mädchen im Alter von fünf bis 16 Jahren fragen ausschließlich nach Barbie und Zubehör, der Großteil unseres Einkommens hängt davon ab", sagt Ali Javaheriyan, Besitzer eines Spielzeuggeschäfts in einem wohlhabenden Bezirk Teherans.

Blondie bekommt Konkurrenz

Ein persisches Puppenpaar sollen Barbie jetzt den Garaus machen. Die Zwillinge Dara (männlich) und Sara (weiblich) sollen jungen Mädchen traditionelle Werte vermitteln. "Sara und Dara treten mit ihrem orientalischen Aussehen der kulturellen Invasion des Westens sowie den Modellen westlicher Männer und Frauen entgegen, die durch im Westen hergestellte Spielzeuge nund Puppen bei uns Einzuge gehalten haben", sagt Mohsen Chini Foroushan, Geschäftsführer des Zentrums für die intellektuelle Entwicklung von Kindern und jungen Erwachsenen.

Der Verkauf der Perser-Puppen läuft eher schleppend an. "Viele Leute schauen sich die Puppen an, aber sie lachen nur und gehen wieder", sagt eine Spielwarenhändler, der Sara und Dara ins Schaufenster gestellt hat. "Verkauft haben wir noch nicht eine einzige". Das könnte an dem altbackenen Design liegen: Die Puppen erinnern an den Sandmann aus dem DDR-Fernsehen - trendy ist das nicht gerade. Als größtes Verkaufshemmnis dürften sich allerdings moralische Auflagen der Ayatollahs erweisen: Sara und Dara lassen sich nicht an- und ausziehen.



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