Eine Milliarde Dollar Kuriere schmuggeln Koffer voller Geld nach Iran

Sanktionen wegen des Atomstreits umgeht Iran offenbar erfolgreicher als gedacht: Laut einem Bericht schmuggeln Kuriere aus der Türkei und Dubai Koffer voller Bargeld ins Land - in den vergangenen Monaten mindestens eine Milliarde Dollar.

Irans Hauptstadt Teheran: Mit Geldkoffern gegen Sanktionen
REUTERS

Irans Hauptstadt Teheran: Mit Geldkoffern gegen Sanktionen


London/Ankara - Iran ist einem Medienbericht zufolge äußerst einfallsreich, wenn es darum geht, die internationalen Sanktionen im Atomstreit zu unterlaufen. Darunter zählt unter anderem das Verbot, Waren gegen Devisen zu verkaufen oder Devisen ins Land einzuführen. Doch allein in den vergangenen Monaten sei mindestens eine Milliarde Dollar in bar in die islamische Republik geschmuggelt worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf iranische Regierungskreise und westliche Diplomaten.

Demnach fliegen Kuriere aus Dubai und der Türkei Business- oder Erster Klasse ins Land und tragen dabei Koffer voller Geldscheine mit sich. Zum Teil werde das Geld auch über die irakische Grenze gebracht. Treibende Kraft hinter den Aktionen sei die iranische Zentralbank, welche die Geschäfte mit einem System von Tarnfirmen verstecke.

Das US-Finanzministerium hatte im Dezember mitgeteilt, Iran schaffe über derartige Unternehmen Hunderte Millionen Dollar in bar ins Land. Dem Agenturbericht zufolge wurde allein aus dem Irak bis zu einer halben Milliarde Dollar geschmuggelt. Über zwei Tarnfirmen in Dubai sei eine weitere halbe Milliarde Dollar besorgt worden. Diese Unternehmen - die Sima General Trading Company und Belfast General Trading - sind demnach ebenfalls mit Sanktionen belegt worden.

Unter Berufung auf iranische Regierungskreise berichtet Reuters, dass die Zahl derartiger Tarnunternehmen in Dubai mittlerweile in die Höhe geschossen sei. Demnach kauften die Firmen Dollar von Devisenhändlern sowohl dort als auch im Irak. Die Verwendung mehrerer derartiger Firmen erlaube es, die gekaufte Bargeldmenge zu verschleiern und sei deswegen die bevorzugte Schmuggelmethode, sagten die Insider dem Bericht zufolge.

Im Gegenzug erhielten die Unternehmen Öl oder würden in Dirham bezahlt, die Währung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Die drei westlichen und drei iranischen Vertreter berichteten laut Reuters, die iranische Notenbank suche seit März nach Wegen, um mehr Dollar zu bekommen. Weder die Zentralbank noch die Behörden in der Türkei und den Emiraten nahmen laut der Nachrichtenagentur zu den Angaben Stellung.

Die internationalen Sanktionen haben Iran vom weltweiten Kapitalmarkt abgeschnitten. Die Regierung in Teheran hat die Strafmaßnahmen als illegal bezeichnet und angekündigt, sie zu umgehen. Im vergangenen Jahr stellte eine Expertengruppe des Uno-Sicherheitsrats fest, dass Iran mit Hilfe von Geldwechslern die Sanktionen aushebelt. Der Westen wirft dem Land vor, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Iran weist dies zurück, verweigert jedoch eine Zusammenarbeit mit den internationalen Atominspektoren.

nck/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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idabana 25.02.2015
1. viktor
Die Unwirksammkeit der Sanktionen gegen Iran haben USA dazu gezwungen, mit Iran zu sprechen statt zu drohen. Iran weigert nicht die Zusammenarbeit, sondern vor Zuvielwollen der Kontrahenten insbesondere USA einzulenken. Die Westen versuchen eine Wissenschafts- und Atomappartheit in der Welt zu hängen und begründen mit ihrer Sicherheit. Die Westen wollen vom Iran sogar mehr als Zusatzprotokol und Iran hat nur Waffensperrvertrag unterschrieben. Der Zusatzprotokol ist von iranischen Parlament nicht rattifiziert worden. Beim Bau einer Atomanlage muss Iran laut Atomgesetz nur 6 Monate vor Inbetriebnahme die IAEO informieren nicht beim Bau von Gebäuden und Einlegen von Rohren u.s.w., was für viele Missverständnisse bei den Medien sorgt.
centerpoints 25.02.2015
2. und ist die bombe erstmal da...
...können die mullahs sicher sein, dass sie keiner mehr angreifen wird...so ist das leider, nur die atommächte sind geschützt...die ukraine wurde leider von allen über den tisch gezogen, als ihr souveränität in bukarest zugesichert wurde im gleichzeitigen verzicht auf ihr atomwaffenarsenal.
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