Iran Rätsel um Transrapid-Auftrag aus Teheran

Der Iran will Pilgern mit einem Hochgeschwindigkeitszug die Reise verkürzen - mit deutscher Hilfe. Ein Münchner Ingenieurbüro soll das Projekt mit einem deutschen Konsortium durchführen. Nur: Wer soll dem angehören? Bundesregierung und deutsche Industrie zeigen sich verwundert.


Berlin - Die deutsche Industrie und die Bundesregierung rätseln über einen Transrapid-Auftrag aus dem Iran. Vertragspartner des iranischen Verkehrsministeriums für das milliardenschwere Projekt ist das Münchener Ingenieurbüro Schlegel, das einen entsprechenden Bericht der ARD am Mittwoch bestätigte.

Transrapid: Künftig Transportmittel für Millionen Pilger?
DDP

Transrapid: Künftig Transportmittel für Millionen Pilger?

Der iranische Verkehrsminister Hamid Behbahani hatte am Dienstagabend im örtlichen Rundfunk gesagt, sein Land stehe vor der Vergabe eines gewaltigen Bahnprojekts an eine ungenannte deutsche Firma. "Der Zug wird eine Geschwindigkeit von 500 Stundenkilometern und der Vertrag ein Volumen von sieben Milliarden Euro haben." Die Laufzeit werde zwischen sechs und acht Jahren liegen.

"Wir sind in der Vorbereitungsphase", sagte ein Schlegel-Sprecher. Das Münchener Büro sei oberster Projektleiter und Planer. "Wir sind beauftragt, dieses Projekt mit einem deutschen Konsortium durchzuführen". Das Projekt habe einen Umfang von zehn bis zwölf Milliarden Euro.

"Das Thema ist bei uns im Haus nicht bekannt"

Die Transrapid-Bauer ThyssenKrupp Chart zeigen und Siemens Chart zeigen sowie die Bundesregierung zeigten sich völlig ahnungslos. "Wir haben keinen Auftrag für den Transrapid aus dem Iran erhalten und stehen auch nicht in Verhandlungen", sagte eine Sprecherin der zuständigen ThyssenKrupp-Sparte Technologies. "Es gibt kein Projekt Iran", betonte sie.

Der Partner Siemens äußerte sich ähnlich. "Das Thema ist bei uns im Haus nicht bekannt", sagte ein Sprecher. Der Konzern zeigte sich auch skeptisch, dass ein Ingenieurbüro Verträge in dieser Größenordnung abschließen könne, ohne Zugriff auf die Technologie zu haben. Zudem gelten bei Siemens Großgeschäfte mit dem Iran als politisch hochsensibel.

Siemens und ThyssenKrupp seien in den Prozess nicht einbezogen gewesen, räumte Schlegel ein. Das Ingenieurbüro wolle in den nächsten Monaten Verträge mit einem Konsortium abschließen. Wer dem Konsortium angehören könnte, dazu wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Iran will Millionen Pilger transportieren

Das Ingenieurbüro "Regierungsbaumeister Schlegel" unter der Führung von Harald Späth hatte bereits im Mai 2007 mit einer Machbarkeitsstudie für die angeblich geplante 860 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Teheran und Mashad in iranischem Auftrag für Aufsehen gesorgt. Der islamische Staat will auf der Strecke künftig Millionen von Pilgern transportieren. Den Kontakt hatte der frühere bayerische Wirtschaftsminister und Ex-Bahnvorstand Otto Wiesheu eingefädelt.

Thyssen und Siemens hatten nach dem Scheitern der Magnetschwebebahn-Pläne in München ihre Transrapid-Anstrengungen deutlich reduziert und die gemeinsame Projektgesellschaft Transrapid International (TRI) aufgelöst. Bislang ist der Hochgeschwindigkeitszug nur in China im kommerziellen Einsatz.

bim/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.