Irreführende Werbung Wettbewerbszentrale wirft Banken unrealistische Versprechen vor

"Hundertprozentige Sicherheit", "ohne Risiko!": Einige Banken ködern Kunden mit besonders blumigen Versprechen. Die Wettbewerbszentrale wirft ihnen nun Irreführung vor - und hat einige Institute abgemahnt.

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Hamburg - Vertrauen ist fast alles im Bankengeschäft - umso mehr leiden die Institute unter der Finanzkrise, die das Vertrauen der Anleger erschüttert hat. Viele Geldhäuser versuchen, mittels Werbung die Zuversicht der Kunden zurückzugewinnen - und bekommen genau deswegen jetzt Ärger.

Frankfurter Banken-Skyline: Zu vollmundige Versprechen in der Krise
DDP

Frankfurter Banken-Skyline: Zu vollmundige Versprechen in der Krise

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs - auch Wettbewerbszentrale genannt - wirft mehreren Instituten vor, Kunden mit "übertriebenen Versprechungen" zu ködern. Einige Institute hätten mit vollmundigen Slogans wie "Hundertprozentige Sicherheit" oder "ohne Risiko!" um Kunden geworben. Dabei zeige die Praxis, dass im Finanzsystem niemand absolute Sicherheit versprechen könne, sagte Reiner Münker, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale.

Gegen mehrere namhafte Institute seien Abmahnverfahren eingeleitet worden - wegen irreführender Produktwerbung mit falschen Verzinsungsangaben oder Tilgungsberechnungen.

Viele Bürger müssten den Eindruck haben, die Banken hätten aus der Finanzkrise kaum etwas gelernt, sagte Münker. Erst auf Beanstandungen der Wettbewerbszentrale hin hätten sich sämtliche Banken zu zurückhaltender Werbung mit Sicherheitsversprechen und entsprechender Transparenz verpflichtet.

16.000 Beschwerden in einem Jahr

Die Wettbewerbszentrale ist eine bundesweit und grenzüberschreitend tätige Selbstkontrollinstitution zur Durchsetzung des Rechts gegen den unlauteren Wettbewerb. Sie wurde 1912 gegründet. Zu ihren Mitgliedern gehören unter anderem Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern.

Die Banken sind bei weitem nicht die einzigen, die mit ihrer Werbung Regeln verletzten: Mehr als 16.000 Beschwerden gingen im vergangenen Jahr bei der Wettbewerbszentrale ein, sie deckten fast alle Branchen ab.

"Im Kern ging es meist um Irreführung und mangelnde Transparenz", sagte Münker. So pries eine große Supermarktkette Eiscreme und Weißbrötchen als gesund an. Ein Wäscheset aus angeblich reiner Baumwolle bestand tatsächlich zu über einem Drittel aus Polyester. Mitarbeiter eines Ökostrom-Anbieters gaben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke aus. Wurden sie eingelassen, versuchten sie die Kunden von einem Anbieterwechsel zu überzeugen.

Viele der Beschwerdefälle wurden laut Münker nicht unbedingt vorsätzlich verursacht. "Eine astreine Werbung hinzukriegen, ist nicht einfach", sagte er. Es gebe immer wieder neue und noch detailliertere Vorschriften. Die seit Anfang 2009 geltende Neufassung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) habe zudem zu einer "Phase der Rechtsunsicherheit" geführt.



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