"Islamic Banking" Arabische Banken drängen in die Schweiz

Teure Läden, diskrete Banken – reiche Anleger aus der arabischen Welt lieben die Schweiz. Nun folgen ihnen immer mehr arabische Banken, eröffnen eigenen Filialen. Wer jetzt aber eine Islamisierung des Bankwesens fürchtet, der irrt.

Von Michael Soukup


Hamburg- Seit vergangenem Mai sammelt die Schweizerische Volkspartei fleißig Unterschriften für die Volksinitiative "Gegen den Bau von Minaretten". Kaum Probleme haben die strammen Eidgenossen jedoch mit dem Bau von Supervillen muslimischer Besitzer am Genfersee. Die Calvinstadt und ihre mondänen Seegemeinden ziehen seit jeher Ölscheichs und andere Reiche aus der arabischen Welt an. Die Luxus-Migranten schätzen edle Hotels, teure Schmuckläden, exklusive Designläden - und natürlich die diskreten Schweizer Banken.

Genf: Traditionell wichtigste Anlaufstelle für arabische Anleger
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Genf: Traditionell wichtigste Anlaufstelle für arabische Anleger

Genf ist traditionell wichtigste Anlaufstelle für Anleger aus dem arabischen Raum. Seit geraumer Zeit folgen nun die arabischen Banken ihren steinreichen Kunden. Wie die "Financial Times" berichtete, plant die National Bank of Kuwait in der Schweiz eine weitere Filiale. Ein Ort wurde nicht genannt.

Vielleicht handelt es sich um Zürich, da die Kuweiter bereits einen Ableger in Genf haben. Abgesehen von der drittgrößten arabischen Bank gibt es mittlerweile eine ansehnliche Anzahl von Finanzinstituten aus dem Mittleren Osten mit Schweiz-Niederlassungen. Die bekanntesten Banken in Genf heißen Faisal Private Bank, Blom Bank, Arab Bank, Bankmed und die Banqu Audi.

"In der Schweiz gibt es rund 350 Banken, wobei 40 Prozent aus den Ausland stammen", sagt Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Die ausländischen Banken wüchsen am stärksten. Wie es sich für eine um Diskretion besorgte Branche gehört, gibt es aber keine konkreten Zahlen zur Bedeutung der arabischen Banken und Kundengelder.

Auch die betroffenen Finanzinstitute selbst veröffentlichen keine Marktzahlen. Klar ist nur: "Es gibt jedenfalls immer mehr Kunden aus dem Nahen Osten", sagt Urs Ruppli, Chief Operating Officer der NBAD Private Bank (Suisse). Laut Schätzungen der Genfer Tageszeitung "Tribune de Genève" stammen alleine in Genf 200 Milliarden Franken von Kunden aus dem Mittleren Osten. Insgesamt werden in der Schweiz rund 5000 Milliarden Franken für ausländische Kunden verwaltet - das ist mehr ein Drittel des weltweiten, grenzüberschreitenden Anlagevermögens. Damit ist die Eidgenossenschaft das weltweit führende Zentrum für Offshore-Banking.

In einem allerdings geht die National Bank of Kuwait neue Wege. Ihre Privatbank wird Geld nach den Prinzipien der Sharia anlegen. Damit sollen in erster Linie reiche Araber aus der Golf-Region angesprochen werden, heißt es in der "Financial Times". Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die meisten arabischen Banken in der Schweiz kein Islamic Banking pflegen. So auch die National Bank of Abu Dhabi (NBAD). Islamisches Sparen gibt es bei der NBAD nur im Nahen Osten.

Wer jetzt aber bereits eine Islamisierung des Bankwesens fürchtet, der irrt. So gibt es seit längerem zahlreiche Großbanken wie die Schweizer UBS, die Deutsche Bank oder die HSBC, die über "islamische Abteilungen" verfügen. "Islamisches Banking wird zumindest in der Schweiz immer ein Nischenprodukt bleiben", heißt es bei der UBS in Zürich. Bankgeschäfte, die in Übereinstimmung mit den religiösen Regeln der Sharia gemacht werden, müssen sich an das allgemeine Zinsverbot, das Verbot der Spekulation und das Verbot des Glückspiels halten. Außerdem darf nicht in Firmen investiert werden, die Alkohol oder pornografisches Material herstellen oder Schweinefleisch verarbeiten.



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