Islamische Geldanlagen Riestern auf türkisch

International ist der Handel mit Finanzprodukten, die speziell für Muslime zugeschnitten sind, ein Milliardenmarkt. Doch in Deutschland spielen islamische Geldanlagen noch kaum keine Rolle. Nun wagen sich erste Banken vor.


Berlin - Das Auf und Ab an den weltweiten Finanzmärkten im Zuge der US-Hypothekenkrise im Frühjahr hat islamische Anleihen attraktiv werden lassen. Großkonzerne auf der Suche nach alternativen Finanzierungsquellen finden zunehmend Gefallen am zinslosen System der Murabaha, für das sich eine steigende Zahl der weltweit rund 1,3 Milliarden Muslime interessiert. Seit Juni zertifiziert auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) islamische Finanzprodukte, die dem im Koran verankerten Zinsverbot Rechnung tragen. Doch das sogenannte Islamic Banking fristet in Deutschland ein Schattendasein.

Bei Muslimen gelten Zinsen als Geld ohne Leistung und damit als Wucher. Auch dürfen sie kein Geld in Unternehmen stecken, die ihren Umsatz mit Alkohol, Schweinefleischprodukten, Glücksspiel, Pornografie oder Rüstung machen. Das große Geld mit schariakonformen Anlagen wird in der arabischen Welt gemacht: Auf 500 Milliarden bis eine Billion Dollar schätzen Experten das Volumen des internationalen Islamic-Finance-Marktes.

Die Deutsche Bank begann im vergangenen Monat damit, in Dubai ein Team für Islamic Banking aufzubauen, wie Michael Lermer aus der Frankfurter Zentrale sagt. Die Dresdner Bank besitzt seit Anfang Juni eine Lizenz für Dubai. Die Tochterfirma DIFC soll laut Sprecherin Renate Christ "als Plattform für den Ausbau der Marktposition im Nahen und Mittleren Osten dienen".

Hierzulande bietet sich ein völlig anderes Bild. Trotz der immerhin rund 3,5 Millionen deutscher Muslime mit einem geschätzten Vermögen von insgesamt 20 Milliarden Euro, wie der ZMD vorrechnet, winken deutsche Banken müde ab. Die Nachfrage nach Scharia-Produkten sei "kleiner gleich null", bilanziert Lermer von der Deutschen Bank. Wenn es um die Rente gehe, riestere der deutsche Türke genauso wie der deutsche Michel.

Nach Auffassung des ZMD ist das Gegenteil der Grund: Die Muslime in Deutschland seien in die Finanzwelt nicht integriert - jedenfalls nicht islamkonform. "Wir erhalten regelmäßig Anfragen von Muslimen aus ganz Deutschland, wie sie mit ihrem Geld islamisch umgehen und ihr Vermögen im Einklang mit ihrem Glauben anlegen sollen", stellt der ZMD-Vorsitzende Ayyub Köhler fest. Deshalb ermuntere der ZMD die deutschen Finanzinstitute, auch auf dem heimischen Markt Versäumtes etwa bei der Immobilienfinanzierung nachzuholen. Seit Juni lässt der ZMD nun durch den Islamc-Finance-Experten Michael Gassner Finanzierungs- und Anlageangebote auf ihre Islamkonformität prüfen.

In Zahlen kann eine ZMD-Sprecherin die Nachfrage nicht fassen. Nur soviel: Das Interesse habe "schon immer" bestanden, auch in der zweiten und dritten Generation. Wer mit der Religion "wenig am Hut hat", nehme natürlich auch keine Scharia-Produkte in Anspruch. Auch Gassner hält sich bedeckt: Die Nachfrage sei "bisher nie untersucht worden".

Gleichwohl kann auch die Finanzwelt zur Integration beitragen, wie das Geschäftsfeld "Ethno Banking" zeigt. Eine neue repräsentative Studie des gemeinsamen Forschungsinstituts der Universität Frankfurt und der TU Darmstadt, E-Finance Lab, fand heraus, dass selbst Türken mit hoher deutscher Sprachkompetenz Bankdienstleistungen auf Türkisch bevorzugen. Die Experten sprechen von "Heimweh-Faktor". Die Produktauswahl orientiere sich dagegen am deutschen Markt.

Eines der Beispiele für "Ethno Banking" ist die Deutsche-Bank-Tochter Bankamiz, die sich bundesweit an über 40 Standorten speziell an türkische Kunden richtet - jedoch nicht in erster Linie mit schariakonformen Produkten, die zwar auch angeboten werden könnten, sondern vor allem mit türkischsprachigen Beratern und Geldautomaten, wie Lermer sagt. Riestern auf türkisch eben.

Daniel Karl Jahn, AFP



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