Island-Konten Deutsche Kaupthing-Kunden dürfen auf Geld hoffen

Sie haben gezittert, doch jetzt können sie aufatmen: Die deutschen Kunden der isländischen Kaupthing-Bank sollen einen Teil ihrer Ersparnisse zurück bekommen. Im Gegenzug hofft Island auf die dringend notwendigen Kredite von der EU und dem Währungsfonds.


Düsseldorf - Noch ist nichts unterschrieben, doch eine Lösung zeichnet sich ab: Bislang sind es Einlagen bis zu 20.900 Euro pro Anleger, die die Kaupthing Bank ihren Kunden zurückzahlen will, schreibt das "Handelsblatt". Es gebe auch Anlass zur Hoffnung, dass darüber hinausgehende Einlagen durch die isländische Einlagensicherung entschädigt würden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Bundesfinanzministerium weiter.

Kaupthing-Kunde in Rejkjavik: Abkommen zeichnet sich ab
AFP

Kaupthing-Kunde in Rejkjavik: Abkommen zeichnet sich ab

Dort gibt man sich allerdings noch etwas zurückhaltender. Eine Sprecherin bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE allerdings, "dass sich im Zuge der in dieser Woche anstehenden Entscheidung über ein IMF-Programm für Island auch eine Lösung für das isländische Einlagensicherungssystem abzeichnet". Die Bemühungen für eine Lösung - an denen Deutschland aktiv beteiligt sei - zielten darauf ab, es Island zu ermöglichen, seinen Verpflichtungen im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung nachzukommen. Davon würden auch die Anleger bei der deutschen Niederlassung der isländischen Kaupthing Bank profitieren. "Die konkreten Details einer Lösung werden derzeit noch abgestimmt", so eine Sprecherin.

Islands Regierungschef Geir Haarde sagte dem "Handelsblatt", er glaube, dass Kaupthing alles unternehmen werde, "um ausreichende Vermögenswerte bereitzustellen, damit die Spareinlagen der deutschen Kunden ausgezahlt werden können". Eine endgültige Einigung ist bisher aber noch nicht erreicht.

Garantie ist Voraussetzung für Mittelfreigabe

Die deutsche Tochter Kaupthing Edge hatte in den vergangenen Monaten relativ hoch verzinste Tages- und Festgeldkonten in Deutschland angeboten, die Bank hat hierzulande rund 30.000 Kunden. Die deutsche Bankenaufsicht Bafin ließ Anfang Oktober deren Guthaben in Höhe von rund 308 Millionen Euro einfrieren. Bei der Kaupthing-Bank greift wie bei vielen ausländischen Hochzins-Angeboten nicht der deutsche Einlagensicherungsfonds, sondern lediglich die isländische gesetzliche Garantie von 20.900 Euro.

Schon am Wochenende war bekannt geworden, dass die isländische Regierung den ausländischen Kunden der zweitgrößten isländischen Bank ihre Ersparnisse zurückzahlen will. Island werde für die Einlagen der Kunden der Icesave-Bank "gemäß der Regeln des Europäischen Wirtschaftsraums" garantieren, teilte die isländische Regierung am Sonntagabend in Reykjavik mit. Darauf habe sie sich mit einer Gruppe von EU-Staaten geeinigt. Icesave ist eine Tochter der verstaatlichten isländischen Landsbanki. Sie hat vor allem in den Niederlanden und Großbritannien tausende Kunden.

Die Garantie galt als Voraussetzung für die Freigabe dringend benötigter Hilfskredite durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und befreundete Staaten in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro. Wie die isländische Regierung erklärte, werde sich die EU im Gegenzug für die Entschädigung der Icesave-Kunden daran beteiligen, dem Land bei der Wiederherstellung seines Finanzsystems und der Wirtschaft zu helfen. Nach der Einigung kann Island nun unter anderem dringend benötigte Hilfskredite des IWF erhalten.

Die EU-Kommission in Brüssel begrüßte die Absicht Islands, die EU-Regeln für den Schutz von Bankguthaben anzuwenden. "Konten von EU- Bürgern werden abgesichert werden", sagte die Sprecherin von EU- Währungskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. "Das ist sehr wichtig." Das sollte den Weg für die Abmachung über die finanzielle Hilfe an Island ebnen.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte bereits am Samstag in Washington am Rande des Weltfinanzgipfels mitgeteilt, dass sich die IWF-Mitgliedsstaaten auf Hilfen für Island verständigt hätten. Über den endgültigen Umfang des Kredits solle am Mittwoch endgültig abgestimmt werden. Berichten zufolge hatte Island um zwei Milliarden Dollar gebeten.

mik/sam/AFP



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