Dubioser Spitzenmanager Markus Braun Ist der Wirecard-Chef ein Betrüger?

Vertraute sagen, Markus Braun weine manchmal in der Oper. Wer den Chef des Dax-Neulings Wirecard trifft, kann sich das kaum vorstellen.
Foto: Thomas Dashuber/ Agentur Focus

Dieser Text stammt aus DER SPIEGEL 50/2019 und gehört zu den meistgelesenen Artikeln 2019.

Der 11. September 2001 war für Markus Braun die Chance seines Lebens. Und er nutzte sie. Auf die Terroranschläge in den USA folgte eine Wirtschaftskrise, die Börse stürzte ab. In München, einem Zentrum der deutschen Internetszene, gingen viele Start-ups unter, weil sich die Investoren zurückzogen und nie mehr wiederkamen.

Viel hätte nicht gefehlt, und auch Wirecard, ein damals kaum bekannter Anbieter von Softwarelizenzen, wäre vom Chaos verschluckt worden. Dass es anders kam, hat vor allem mit Markus Braun zu tun.

Er rettete das Unternehmen. Erst als Berater, bald als Chef. Er baute Wirecard, damals noch eine Klitsche, die für Porno- und Gaming-Websites das Bezahlen abwickelte, zu einem der weltgrößten Anbieter für Zahlungsvorgänge aus. Tausende Unternehmen weltweit nutzen die Dienste, vom Kiosk in Indien bis zum multinationalen Konzern. Wirecard sorgt gegen eine Gebühr dafür, dass das Geld der Konsumenten beim Verkäufer ankommt. Ist die Zahlung nicht gedeckt, springt Wirecard ein.

Die Gewinnspannen sind klein, die Fantasie ist groß. Schließlich zahlen immer mehr Menschen elektronisch. Braun entdeckte den Markt, besetzte ihn und führte Wirecard 2018 in die Spitzenklasse der Börse, den Deutschen Aktienindex (Dax). Das Unternehmen hat mehr als 5000 Mitarbeiter - und ist mit 14,5 Milliarden Euro wertvoller als die Deutsche Bank.

Hier könnte eine Erzählung über Braun enden. Gäbe es nicht die schweren, kaum ausgeräumten Vorwürfe gegen ihn, die Wirecards Erfolgsstory zunehmend dubios erscheinen lassen.

Wirecard, so der Verdacht, operiere mit falschen Geschäftszahlen. Der Finanzkonzern kaufe für viel Geld Firmen hinzu, die nichts wert seien, und blähe so den eigenen Wert auf. An allen Ecken und Enden häufen sich Auffälligkeiten. Mal fehlt das Testat des Wirtschaftsprüfers für die Bilanz einer Konzerntochter, mal geht es um Geldwäsche, Razzien, verschwundene Mitarbeiter. Staatsanwälte und Finanzaufseher durchleuchten den Konzern. Die sonst eher zurückhaltende "FAZ" bezeichnet Wirecard als "Schande für den Dax".

Welche Story stimmt? Die von Wirecard als digitalem Vorzeigeunternehmen Deutschlands oder die vom Milliardenschwindel, der auffliegt und irgendwann im Zusammenbruch mündet

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