Italien Justiz soll gegen Zentralbankchef Fazio ermitteln

Der Druck auf Italiens umstrittenen Chefnotenbanker Antonio Fazio nimmt zu. Agenturberichten zufolge wird gegen ihn wegen des Verdachts des Machtmissbrauchs ermittelt.


Zentralbankchef Fazio: Dem Ansehen des Landes geschadet
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Zentralbankchef Fazio: Dem Ansehen des Landes geschadet

Rom - Wie die Nachrichtenagenturen Apcom und Ansa berichteten, laufen die Ermittlungen gegen Fazio schon seit zwei Monaten. Sie stünden im Zusammenhang mit seinem Verhalten bei den Übernahmeverhandlungen für die Bank Antonveneta.

Fazio stehe im Verdacht, sein Amt missbraucht zu haben. Voraussichtlich soll der Banker in der kommenden Woche befragt werden. Ihm wird vorgeworfen beim Übernahmekampf um Antonveneta einheimische Bieter gegenüber ausländischen Interessenten begünstigt zu haben.

Nachdem zuletzt ranghohe Regierungsvertreter, darunter Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Rücktritt Fazios gefordert hatten, sprach der Zentralbank-Vorstand ihm heute das Vertrauen aus. Es sei auch nicht geplant, wegen des Falls eine Sondersitzung einzuberufen, hieß es. Der Zentralbankchef ist in Italien auf Lebenszeit im Amt und kann nicht von der Regierung entlassen werden. Nur der Vorstand der Notenbank Banca d'Italia hätte Fazio zum Rücktritt bewegen können.

Fazio steht schon seit Monaten wegen möglicher Interventionen zu Gunsten heimischer Banken in der Kritik. Auch die EU-Kommission hatte gemahnt, den italienischen Bankensektor nicht abzuschotten und auf eine interne Konsolidierung zu setzen.

Die Berlusconi-Regierung warf ihm vor, dem Ansehen des Landes geschadet zu haben. Sie hatte in der vorigen Woche den Druck auf den Notenbank-Chef erhöht und ihn am Wochenende sogar von seinem Mandat entbunden, Italien bei der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Washington zu vertreten.



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