Italien Rom verhängt Redeverbot für Notenbankchef Fazio

Sie kann den Rücktritt von Italiens Notenbankchef Fazio zwar nicht erzwingen, wohl aber den Druck erhöhen: Die Regierung in Rom erteilte Fazio jetzt ein Redeverbot. Beim Weltbanktreffen in Washington sollte ein anderer Italien vertreten.


Wieder ausgeladen: Notenbankchef Antonio Fazio bekam aus Rom ein Redeverbot bei der Weltbank
DPA

Wieder ausgeladen: Notenbankchef Antonio Fazio bekam aus Rom ein Redeverbot bei der Weltbank

Rom/Washington - Anstelle von Fazio habe der neue Wirtschaftsminister Giulio Tremonti den Direktor im Finanzministerium, Ignazio Angeloni, zum Leiter der italienischen Delegation in Washington berufen, sagten Vertreter der italienischen Regierung in Rom und Washington. Fazio sei daraufhin aus Washington abgereist. Der Notenbank-Präsident sei bereits wieder in Italien, hieß es am Flughafen Ciampino in Rom. Bei der Banca d'Italia war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Fazio habe seine Entscheidung zur Abreise nach einem Anruf Tremontis getroffen, hieß es in italienischen Delegationskreisen in Washington. Eigentlich hatte der Notenbankchef vor dem Entwicklungsausschuss der Weltbank sprechen wollen. Tremonti hatte, wie schon zuvor auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Rücktritt Fazios gefordert. Dem Notenbankchef wird vorgeworfen, sich in einer grenzüberschreitenden Übernahmeschlacht im Bankensektor parteiisch verhalten zu haben. Deshalb ermittelt die Staatsanwalt in Rom unter anderem gegen ihn. Fazio hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Erst am Donnerstag war Tremontis Amtsvorgänger Domenico Siniscalco zurückgetreten, weil er Fazio nicht zum Rücktritt bewegen konnte. Fazio ist seit 1993 Gouverneur der Bank von Italien. Seine Amtszeit ist unbefristet. Zwar versucht die Regierung ihn durch verstärkten Druck zum Rücktritt zu bewegen, sie kann ihn jedoch nicht entlassen. Dies könnte nur der aus 13 Mitgliedern bestehende Aufsichtsrat der Zentralbank mit einer Mehrheit von zwei Dritteln. Das nächste Treffen des Gremiums soll am Donnerstag stattfinden. Italienischen Medien zufolge ist es jedoch unwahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat etwas gegen Fazio unternimmt.



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