Teure Währung Italiens Premier wettert über "verfluchten" Euro-Kurs

Der italienische Ministerpräsident Letta hält den starken Euro für ein Problem und sieht in der Frage dringenden Handlungsbedarf. Die Europäische Union müsse gegen den "verflucht" hohen Kurs vorgehen, sagte Letta. Die EZB ist allerdings anderer Meinung.
Regierungschef Letta: "Verflucht" hoher Euro-Kurs

Regierungschef Letta: "Verflucht" hoher Euro-Kurs

Foto: Aidan Crawley/ dpa

Rom - Italiens Ministerpräsident Enrico Letta sieht Handlungsbedarf wegen des starken Euro. Die Europäische Union müsse gegen den "verflucht" hohen Kurs vorgehen, sagte er am Mittwoch vor Diplomaten und Mitarbeitern des Außenministeriums in Rom. "Der Wechselkurs ist unausgeglichen, und das Ziel für die gesamte EU muss es sein, den verfluchten Kurs von 1,36 bis 1,38 Dollar je Euro zu ändern." Das würde die Exporte und die gesamte Wirtschaft ankurbeln.

Der Euro   notiert derzeit zwar deutlich über dem Wert von gut 1,20 Dollar, den er zur Jahresmitte 2012 erreicht hatte. Dennoch ist er weit billiger als vor Beginn der Finanzkrise 2008. Ein niedriger Euro-Kurs kommt den Exportunternehmen bei Verkäufen ins Ausland zugute, weil sie ihre Produkte dann billiger anbieten können, ohne Gewinneinbußen hinnehmen zu müssen.

Allerdings ist der Einfluss der Politik begrenzt, den Euro zu schwächen. Mehr Möglichkeiten dafür hätte die Europäische Zentralbank (EZB), die Hüterin des Euro. Doch für sie ist der Wechselkurs kein Ziel der Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi sagte zuletzt, der Euro-Kurs sei für ihn kein Thema.

Der italienische Regierungschef hatte Anfang November von Deutschland mehr Einsatz für Wachstum in Europa gefordert. "Die Erholung in Europa sollte auch für Deutschland Priorität haben", sagte Letta. "Wenn es nur Wachstum und Stabilität in Deutschland gibt und der Rest von Europa außen vor gelassen wird, wird das am Ende auch schlecht für Europa sein." Die künftige Bundesregierung müsse das berücksichtigen. "Die Hoffnung ist, dass sie auf eine Wirtschaftspolitik setzt, die berücksichtigt, dass die Erholung in Europa auch für Deutschland Priorität hat", sagte Letta weiter.

Damit zielt der Ministerpräsident auf den harten Sparkurs, den die Bundesregierung von Angela Merkel den europäischen Krisenländern verordnet hat - und unter dem diese Länder leiden.

nck/Reuters
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