IWF-Chefposten Merkel bekundet Sympathie für Lagarde

Es könnte das entscheidende Bekenntnis der Kanzlerin im Streit um die Vergabe des IWF-Chefpostens sein: Angela Merkel hat die französische Finanzministerin und Favoritin Christine Lagarde ausdrücklich gelobt. Eine Nominierung sei dies jedoch nicht.

Französische Finanzministerin Lagarde: Erstes Signal kommende Woche erwartet
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Französische Finanzministerin Lagarde: Erstes Signal kommende Woche erwartet


Berlin - In der Kandidatenkür um den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wagt sich die Bundesregierung nur millimeterweise aus der Deckung: So lobte Kanzlerin Angela Merkel am Freitag eine der am heißesten gehandelten Kandidaten - Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Sie schätze Lagarde schon länger sehr, sagte Merkel. Doch schon im nächsten Satz ruderte sie zurück: Diese Bemerkung sei keine Bekanntgabe einer offiziellen Kandidatur Lagardes, betonte sie. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten ist seit Donnerstag in die heiße Phase gegangen, nachdem Dominique Strauss-Kahn zurückgetreten war. Ihm wird sexuelle Nötigung und die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen.

Nach Angaben ihres Sprechers wird Merkel die Nachfolge auf dem IWF-Chefposten am Montag mit dem Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, in Berlin besprechen. Bis dahin sollten keine Namen genannt werden.

Auch die Fragen nach einer möglichen Kandidatur Peer Steinbrücks (SPD) blieben deshalb unbeantwortet. Ex-Bundesbankchef Axel Weber scheidet als möglicher Kandidat jedoch offenbar aus. Regierungssprecher Seibert sagte, Weber sei vorzeitig zurückgetreten und "hat sich auch für keine anderen Ämter angeboten".

Auswahl des Nachfolgers könnte Sache von Monaten sein

Die Bundesregierung hatte schon früh bekundet, dass sie sich einen europäischen Nachfolger als Ersatz für den zurückgetretenen Strauss-Kahn wünsche. Es gebe gute Gründe für eine Persönlichkeit aus Europa.

Auch Außenminister Westerwelle bekräftigte den Anspruch auf einen europäischen IWF-Chef. Er sagte im Deutschlandfunk, die Regierung setze sich dafür ein, dass "unser europäischer Einfluss" im Währungsfonds nicht abnehme. Auf die Frage, ob es an der Zeit für einen IWF-Chef aus einem Schwellenland sei, sagte er, er wolle darüber nicht spekulieren. Diese Gespräche seien "schwierig genug".

Auch Schäuble beharrt auf einem europäischen Kandidaten und geht davon aus, dass dieser schnell gefunden werde. Eine Entscheidung werde "sicherlich bald fallen, denn mit dem Rücktritt von Dominique Strauss-Kahn ist ja der Entscheidungsprozess eröffnet".

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Nachfolgedebatte: Kandidaten für IWF-Chefposten
Diplomaten innerhalb der EU zufolge könnte auf dem G-8-Gipfel die Frage eines europäischen Kandidaten geklärt werden. Bei dem Treffen kommende Woche im französischen Deauville werde es ein "Signal" geben, hieß es am Freitag aus gut informierten Kreisen in Brüssel.

Ganz so optimistisch ist der geschäftsführende IWF-Direktor John Lipsky, derzeit Stellvertreter auf Strauss-Kahns Posten, nicht. Er rechnet nicht mit einer schnellen Entscheidung. In der Vergangenheit sei das Auswahlverfahren eine Sache von mehreren Monaten gewesen.

Einer der möglichen europäischen Kandidaten, der ehemalige britische Premier Gordon Brown, erklärte inzwischen seinen Verzicht auf eine Kandidatur. Er werde sich nicht bewerben, sagte er am Freitag.

seh/Reuters/dapd/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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zauberer1, 20.05.2011
1. Nichts Neues....
Zitat von sysopEs könnte das entscheidende Bekenntnis der Kanzlerin im Streit um die Vergabe des IWF-Chefpostens sein: Angela Merkel hat die französische Finanzministerin und Favoritin Christine Lagarde ausdrücklich gelobt. Eine Nominierung sei dies jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763853,00.html
...Angie wie immer.^^ Mal hü und später hott
badsch 20.05.2011
2. De Lagarde ist Strauss-Kahn nur mit konservativem Parteibuch
Zitat von sysopEs könnte das entscheidende Bekenntnis der Kanzlerin im Streit um die Vergabe des IWF-Chefpostens sein: Angela Merkel hat die französische Finanzministerin und Favoritin Christine Lagarde ausdrücklich gelobt. Eine Nominierung sei dies jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763853,00.html
Falls wirklich Frau de Lagarde IWF-Chefin würde, wäre dies ein klarer Hinweis darauf, dass die Verschwörungstheoretiker nicht Recht haben, Strauss-Kahn sei eine Falle gestellt worden, um ihn loszuwerden. Wozu solch ein Aufwand, wenn seine Nachfolgerin dann die gleiche "französische" Politik der Euro-Rettung, die manchen im IWF sauer aufstößt, weiterführt?
prophet46 20.05.2011
3. Anderer Kandidat
Zitat von sysopEs könnte das entscheidende Bekenntnis der Kanzlerin im Streit um die Vergabe des IWF-Chefpostens sein: Angela Merkel hat die französische Finanzministerin und Favoritin Christine Lagarde ausdrücklich gelobt. Eine Nominierung sei dies jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763853,00.html
Frau Merkel wird immer phantasieloser. Frau Lagarde ist, wie heute schon die FAZ in einem Kommentar anmerkte, aufgrund ihrer wirtschaftspolitischen Einstellung für diesen Posten ziemlich ungeeignet. Wer wie Frau Lagarde zu sehr auf staatliche Eingriffe setzt, sollte diese Position nicht bekleiden. Das Kriterium Frau dürfte ja nicht hinreichend für die Besetzung des Postens sein. Gibt es den keine profilierten Kandidaten aus Deutschland oder aus einem anderen EU-Land? Die Postenverteilung steht gegenwärtig zu stark unter französischem Einfluss und das muss ja nicht sein.
wibo2 20.05.2011
4. Bitte nicht schon wieder französische Politiker vorschlagen für IWF Chefposten
Nachdem "Pinguin" Sarkozy mit Strauss-Kahn einen linken Politiker auf den IWF Chefposten gesetzt hat, der zu impulsiven, kriminellen Taten zu neigen scheint, sollten bis auf weiteres französische Politiker nicht mehr berücksichtigt werden. Sie wollen sich nur im imperialen Interesse der französischen Banken zu Lasten des deutschen Steuerzahlers engagieren. Die Maxime scheint zu sein: ""Le boche payera tout" – die verfluchten Deutschen werden alles bezahlen – so hieß es seinerzeit und anscheinend heute wieder. Die deutschen Europayer sollen jetzt für die ganze Welt bezahlen. Das geht schlicht und einfach nicht! Von Frauen verspreche ich mir im Finanzbereich gar nichts mehr. Frau Lagarde hat mehrere hundert Millionen veruntreut und ist deshalb selbst angeklagt. Affaire Tapis/Adidas. John Lipsky, der Amerikaner, ist eingearbeitet und weiss, was zu tun ist. Er ist ein Intellektueller von höchster Qualität. Er wird auch den Pleite Südländern zeigen, wo der Bartel den Most holt. Er sollte als IWF Chef weitermachen!
faxfax 20.05.2011
5. Petros Christodoulou
Nach Barroso für die EU und Draghi für die EZB wäre ein geeigneter Kandidat für den IWF Petros Christodoulou Als Ex-Banker der griechischen Nationalbank (NBG) hat er mit Goldman Sachs die Londoner Zweckgesellschaft Titlos gründet. Damit erfüllt er alle Anforderungen in höchstem Maße.
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