IWF Finanzspritze für die Türkei

Die von einer Wirtschaftskrise gebeutelte Türkei erhält voraussichtlich Finanzhilfen vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Insgesamt sollen 14,3 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden.

Istanbul/Washington - Wie der IWF und der türkische Wirtschaftsminister Kemal Dervis in Washington erklärten, steht eine Einigung unmittelbar bevor, berichteten türkische Medien am Freitag. Es müssten aber noch Einzelheiten geklärt werden. Insgesamt werde die Türkei in diesem Jahr damit 14,3 Milliarden Dollar an ausländischer Finanzhilfe erhalten, davon sollen 1,5 Milliarden Dollar von der Weltbank kommen, sagte Dervis. Der Minister rechnet damit, dass innerhalb von zwei Wochen eine Einigung erzielt werden kann. Die Istanbuler Börse zog am Freitagmorgen deutlich an.

Der Vizepräsident der Weltbank, Johannes Linn, lobte indes das Reformprogramm von Wirtschaftsminister Dervis. Direktkredite müssten aber nicht nur von IWF und der Weltbank, sondern auch von den G-7-Staaten geleistet werden. Im DeutschlandRadio Berlin bestätigte Linn am Freitag, dass die von der Türkei geforderten Kredite zur Bekämpfung der Krise notwendig seien: "Die Größenordnungen sind wohl allgemein richtig. Wir stehen auf dem gleichen Standpunkt wie Herr Dervis." Wenn die Türkei die richtigen Maßnahmen ergreife, werde sie die geforderte finanzielle Unterstützung erhalten. Linn betonte, dass die Türkei bereits in den vergangenen Monaten Fortschritte bei der Krisenbekämpfung gemacht habe.

Die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise war durch einen Streit zwischen Ministerpräsident Bülent Ecevit und Präsident Ahmet Necdet Sezer über die Bekämpfung der Korruption ausgelöst worden. Der eigentliche Grund der Krise sind aber unter anderem Korruption, Misswirtschaft und ein marodes Bankensystem.

Aus Protest gegen die Krise und die Regierung waren in den vergangenen Wochen Zehntausende Türken auf die Straßen gegangen. Dervis hatte vor kurzem umfassende Reformen angekündigt und ein Stabilisierungsprogramm bekannt gegeben. So sollen unter anderem die Staatsausgaben gesenkt, das Bankensystem reformiert und die Privatisierung vorangetrieben werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.