IWF-Spitze USA lehnen Koch-Weser ab

Traditionsgemäß stellen die Europäer den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach langem Gerangel hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten diesmal auf den Deutschen Caio Koch-Weser geeinigt. Doch Bill Clinton sagt "No".

Washington - Das teilte sein Sprecher Joe Lockhart am Montag mit. Die Bundesregierung hält dagegen nach Angaben einer Regierungssprecherin auch nach der Ablehnung durch die USA an Koch- Weser fest. Er soll schon an diesem Dienstag in Washington beim Exekutivrat, dem Führungsgremium des Fonds, förmlich von der EU angemeldet werden.

"Wir haben einen sehr guten Kandidaten, der heute eindrucksvoll einstimmig von den EU-Ländern für dieses Amt nominiert worden ist", sagte eine Sprecherin am Montagabend in Berlin. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass Koch-Weser auch IWF-Chef werde.

Nach langem Tauziehen hatten die EU-Finanzminister den Staatssekretär im Bundesfinanzministerium am Montag in Brüssel einstimmig als EU-Kandidaten für den Chefposten in Washington nominiert. Daraufhin teilte das Weiße Haus mit, Clinton habe Bundeskanzler Gerhard Schröder bereits am Samstag in einem Telefongespräch mitgeteilt, dass er eine Kandidatur Koch-Wesers nicht unterstützen werde. Ziel bleibe es, einen starken europäischen Kandidaten zu finden, der mit breiter Unterstützung einschließlich der Entwicklungsländer rechnen könne.

Der 55 Jahre alte Koch-Weser ist der einzige Bewerber der EU für den Spitzenposten. Die Europäer wollten einig auftreten, nachdem es zwei nicht-europäische Kandidaten für den Washingtoner Chefsessel gebe, hieß es. Frankreich und Großbritannien hatten zuvor Vorbehalte gegen Koch-Weser geltend gemacht.

Afrikanische Staaten hatten den US-Amerikaner und stellvertretenden IWF-Chef Stanley Fischer als Nachfolger des ausgeschiedenen Michel Camdessus vorgeschlagen. Japan nominierte den früheren Vize-Finanzminister und derzeitigen IWF-Exekutivdirektor Eisuke Sakakibara. Der 1944 gegründete IWF überwacht die internationalen Währungssysteme und Volkswirtschaften. Er ist auch in der Entwicklungshilfe aktiv.