IWF-Tagung Durchbruch bei Schuldenerlass für die Ärmsten

Es geht um 40 Milliarden Dollar - und den weitreichendsten Schuldenerlass, den es je gegeben hat. Der Lenkungsausschuss des IWF hat eine Initiative der G-8 gebilligt, der den hundertprozentigen Erlass der Verbindlichkeiten für die 18 ärmsten Länder festschreibt.


Washington - "Das ist ein Durchbruch, auf den wir stolz sein können", sagte der britische Schatzkanzler Gordon Brown nach der Sitzung des Ausschusses, dem er vorsteht. Es gebe eine Übereinstimmung "in allen Elementen". Der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser sprach von einem "großen historischen Schritt".

IWF-Direktor Rodrigo Rato werde nun das Exekutivdirektorium des Fonds einberufen, damit das Entschuldungsprogramm unter Dach und Fach gebracht werden könne, erläuterte Brown. Ziel sei es, den Schuldenerlass bis zum Jahresende umzusetzen.

Nach dem IWF stimmten den Vorschlägen am Wochenende auch die Gouverneure der Weltbank zu. Stellvertretend für die 184 Mitgliedsländer von IWF und Weltbank sagte der südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel zum Abschluss der Jahrestagung der Institutionen in Washington: "Aus der G8-Vereinbarung ist eine G184-Vereinbarung geworden."

Das von den Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) im Juli bei ihrem Gipfel im schottischen Gleneagles vereinbarte Programm sieht vor, zunächst den 18 ärmsten Ländern der Welt ihre Schulden beim IWF, der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank komplett zu erlassen. Dabei geht es um einen Betrag von insgesamt 40 Milliarden Dollar. In einem am Freitag veröffentlichten Brief an Weltbank-Chef Paul Wolfowitz hatten die Finanzminister der G-8 zugesichert, dass sie für die volle Kompensierung dieser Summe sorgen würden. Damit sollte Befürchtungen anderer Mitgliedstaaten entgegengetreten werden, dass die Finanzinstitutionen durch den Schuldenerlass finanziell ausgezehrt würden. Weitere 38 bis 40 Länder können der Vereinbarung zufolge später ebenfalls in den Genuss der Schuldenentlastung kommen.



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