IWF Weltwirtschaft dank USA auf Wachstumskurs

Die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft sind nach Worten von IWF-Chef Horst Köhler die besten seit über zehn Jahren. Die Europäer müssten ihre Reformen vorantreiben, um den Anschluss zu halten.


IWF-Chef Horst Köhler drängt Europa zu Reformen
DPA

IWF-Chef Horst Köhler drängt Europa zu Reformen

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarte in diesem Jahr ein Weltwirtschaftswachstum von 4,75 Prozent, sagte Köhler in einer Rede vor dem nationalen Presseclub am Montagabend in Washington. Im März hatte der IWF ein Weltwirtschaftswachstum von 4,2 Prozent prognostiziert.

Köhler ermahnte die Europäer aber, dass sie ihre Wirtschaft ehrgeiziger als bisher reformieren sollten. Dann könnten sie mittelfristig ein Wachstum deutlich über drei Prozent erreichen.

Köhler führte das weltweit starke Wirtschaftswachstum vor allem auf die USA als Hauptmotor zurück. Es gebe Anzeichen dafür, so Köhler, dass "sich die boomende US-Konjunktur auf ein haltbareres Niveau verlangsamt, und daher glaube ich auch an ein soft landing".

"Diese Leistung ist der historische Beweis dafür, dass Innovation, strukturelle Veränderungen und Flexibilität unentbehrlich sind für Wohlstand und eine bessere Zukunft für die Menschen", sagte Köhler in seiner ersten größeren Rede in den USA seit seinem Amtsantritt im Mai.

Der IWF werde sich auf die Verhinderung von Krisen und die "unvoreingenommene" Beratung von Ländern konzentrieren, sagte Köhler. Er werde aber nicht die Funktion einer weltweiten Zentralbank übernehmen, über die Länder mit Finanzproblemen mit unbegrenzten Krediten unterstützt würden. "Meine Ambition für den Fonds ist, nicht mehr und mehr Programme für mehr und mehr Länder zu haben. Stattdessen sollten die Probleme durch bessere Transparenz in der Anfangsphase aufgedeckt werden", sagte Köhler.

"Ich glaube wirklich, dass der Fonds in der Vergangenheit überzogen hat und sich neu konzentrieren muss. Im Mittelpunkt muss eindeutig die Pflege von makroökonomischer Stabilität und Wachstum stehen", sagte Köhler. Die Weltbank, die Schwesterorganisation des IWF, sollte sich primär mit der Bekämpfung der Armut und strukturellen Reformen befassen. Schuldenerleichterungen für arme Länder blieben aber für beide Organisationen weiterhin eine wichtige Aufgabe.



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