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26. Februar 2002, 18:25 Uhr

Jahresabschluss

France Télécom bringt MobilComs Terminkalender durcheinander

Der Mobilfunkanbieter MobilCom hat die Veröffentlichung seiner Bilanz für das Geschäftsjahr 2001 um zwei Wochen verschoben. Sie findet jetzt am gleichen Termin statt, zu dem auch die France Télécom ihre Zahlen veröffentlichen will.

Bilanztermine werden künftig koordiniert: MobilCom-Zentrale in Büdelsdorf
DPA

Bilanztermine werden künftig koordiniert: MobilCom-Zentrale in Büdelsdorf

Hamburg - Der Jahresabschluss werde nicht wie ursprünglich geplant am 7. März, sondern erst am 21. März veröffentlicht, teilte MobilCom am Dienstag in Büdelsdorf mit. Der Grund für die Termin-Verschiebung sei weiterer Abstimmungsbedarf mit dem Großaktionär France Télécom, hieß es.

Damit informiert MobilCom die Aktionäre am selben Tag über die Entwicklung des Unternehmens wie France Télécom. Auch in Zukunft, so erklärten die Büdelsdorfer, würden die Termine für die Bekanntgabe der Quartalsergebnisse künftig in enger Abstimmung mit France Télécom und seiner Mobilfunktochter Orange abgestimmt.

Ein Sprecher des Unternehmens sagte auf Anfrage, die Veröffentlichung der Bilanz müsse verschoben werden, weil der MobilCom-Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am 6. März keine Zeit für die Feststellung des Jahresabschlusses habe. Das Gremium müsse sich auf der Sitzung primär mit dem Konflikt "um die Partnerschaft mit France Télécom" beschäftigen. Der Jahresabschluss könne darum erst am 20. März vom Aufsichtsrat festgestellt und am 21. März veröffentlicht werden.

Nach Einschätzung von Beobachtern deutet die Koordinierung der Bilanzpressetermine auf ein engeres Zusammenspiel der beiden Telefongesellschaften hin. Wahrscheinlich habe die gegenläufige Kommunikation der vergangenen Tage für die Verschiebung den Ausschlag gegeben, sagte ein Analyst.

Weniger wahrscheinlich, aber trotzdem vorstellbar ist nach Einschätzung des Analysten, dass die Partner an diesem Tag die Auflösung ihres Vertrages bekannt geben. Sollte sich erweisen, dass die Geduld von France Télécom mit dem Büdelsdorfer Unternehmen erschöpft sei, könnten die Franzosen bereit sein, die Verbindung nach Deutschland zu lösen. Für France Télécom wäre dies ein gut beherrschbares Ende, für MobilCom hingegen bedeute es das Aus.

Allerdings sei eher damit zu rechnen, dass France Télécom ihr Engagement bei MobilCom aufrecht erhalte. Bedingung werde sein, dass künftig von Paris aus Regie geführt würde und MobilCom die Rolle als Konzern-Tochter übernehme. France Télécom werde weiterhin das Ziel verfolgen, die Investitionen ins deutsche UMTS-Geschäft nach hinten zu verschieben. Hintergrund sei neben dem Wunsch der Franzosen, ihre Kosten zu begrenzen, möglicherweise auch das Kalkül, dass sich die Wertentwicklung der MobilCom-Aktie verzögere und die Put Option günstiger ausgeübt werden könne.

In den vergangenen Tagen waren Streitigkeiten zwischen France Télécom und MobilCom öffentlich geworden. Der französische Konzern hatte MobilCom unter anderem wegen Meinungsverschiedenheiten über das deutsche UMTS-Mobilfunkgeschäft mit einer Klage gedroht. MobilCom-Chef Gerhard Schmid hatte der France Télécom Mitte Februar vorgeworfen, bei den UMTS-Investitionen bremsen zu wollen, um die eigene Verschuldung von 65 Milliarden Euro nicht weiter in die Höhe zu treiben.

France Télécom ist mit einem Anteil von rund 28,5 Prozent der zweitgrößte MobilCom-Anteilseigner - nach Firmenchef Schmid, der persönlich rund 42 Prozent hält.

Die MobilCom-Aktien, die am Morgen rund zwei Prozent im Plus gelegen hatten, rutschten nach Bekanntwerden der Terminverschiebung leicht ins Minus. Am Nachmittag präsentierten sich die Papiere gut behauptet mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 14,07 Euro.

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