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15. Dezember 2006, 19:37 Uhr

Jahresendspurt

Dax kratzt an 6600-Punkte-Marke

Champagnerlaune an den Börsen: Der Dax ist heute zum ersten Mal seit fast sechs Jahren zwischenzeitlich über 6600 Punkte geklettert. Der Dow Jones verzeichnete mittags sogar ein Allzeithoch.

Frankfurt am Main - Beflügelt von guten US-Konjunkturdaten hat der Dax heute erneut kräftig zugelegt: Er stieg zum Wochenschluss um 0,55 Prozent auf 6588 Zähler - die höchste Marke seit fünf Jahren. Zwischenzeitlich war der deutsche Leitindex sogar zum ersten Mal seit knapp sechs Jahren wieder über 6600 Punkte geklettert. Den achten Tag in Folge verzeichnete der Leitindex Kursgewinne und legte auf Wochenbasis um 2,51 Prozent zu. Der MDax stieg um 0,76 Prozent auf 9280 Punkte. Für den Technologiewerteindex TecDax ging es um 1,46 Prozent auf 737,09 Punkte nach oben.

Besonders die US-Industrieproduktion und die Verbraucherpreise hätten angenehm überrascht, erklärten Händler den Höhenflug. Auch die US-Börsen hätten mit ihrer freundlichen Tendenz die Kurse gestützt.

Schwächster Dax-Wert waren die Aktien von TUI , die um 2,68 Prozent auf 15,61 Euro nachgaben. Das Reise- und Schifffahrtsunternehmen wird für 2006 voraussichtlich keine Dividende zahlen. Das Gewinnziel für 2008 senkte der Konzern wie erwartet und will durch den Abbau von 3600 Stellen die Kosten deutlich drücken. Nun will Tui mit neuen Strategien im Internet- und Fluggeschäft aus der Talsohle kommen und den Kreuzfahrt-Massenmarkt als neues Geschäftsfeld erschließen.

Aareal Bank ist Spitzenreiter im MDax

BASF-Titel verteuerten sich dagegen um 1,31 Prozent auf 72,57 Euro, nachdem der Konzern bekannt gegeben hatte, er rechne nach der Integration des Bauchemie-Geschäfts von Degussa ab 2010 mit Synergien von jährlich 100 Millionen Euro. Der E.on-Aktienkurs kletterten um 1,95 Prozent auf 104,40 Euro. Der Versorger wird im laufenden Geschäftsjahr wegen Änderungen im Körperschaftssteuergesetz einen Sonderertrag von 1,2 Milliarden Euro verbuchen.

Im MDax baute die Aktie der Aareal Bank ihre Vortagsgewinne aus und schloss als Spitzenreiter 5,65 Prozent höher bei 35,50 Euro. Drei Tage nach dem Verkauf von Immobilien ihrer Beteiligung Interhotel trennte sich der Immobilienfinanzierer auch von der Sparte Vermögensverwaltung.

Dow Jones auf Allzeithoch

Epcos-Aktien stiegen im TecDax um zwei Prozent auf 14,25 Euro. Der Elektronikspezialist will für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 0,20 Euro pro Aktie zahlen. Für das im Oktober angelaufene Geschäftsjahr 2006/2007 zeigte sich Epcos zudem zuversichtlich. Händler lobten die Dividendenzahlung und sagten, dies sei die erste Ausschüttung seit sechs Jahren. Zudem kursierten am Markt Übernahmegerüchte, die zusätzlich durch Medienberichte angeheizt worden seien.

Auch an anderen europäischen Aktienmärkten stiegen die Indizes kräftig: Der EuroStoxx 50 gewann 0,53 Prozent auf 4140,66 Zähler. Die Pariser Börse schloss ebenso wie der Londoner Leitindex im plus.

Der Leitindex Dow Jones erreichte im Mittagshandel sogar mit 12.486 Punkt ein Allzeithoch, nachdem eine überraschend milde Inflationsentwicklung bei vielen Anlegern Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung geschürt hatte. Unternehmensberichte - vor allem von Technologiekonzernen - gaben den Kursen zusätzlich Auftrieb.

Kurssprung bei Adobe

Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gewann 0,35 Prozent auf 2462 Punkte. "Die US-Verbraucherpreise haben überall im Aktienmarkt und bei den Anleihen für Aufregung gesorgt, zudem wirkte sich der Schwung des Vortages weiter aus", sagte Cummins Catherwood von Rutherford, Brown & Catherwood in Philadelphia

Gute Nachrichten für Anleger kamen unter anderem vom US-Softwareanbieter Adobe der seinen Gewinn im vierten Geschäftsquartal kräftig steigerte, nachdem er sich seinen Rivalen Macromedia einverleibt hatte. Adobe-Aktien reagierten mit einem Kurssprung von über fünf Prozent auf 43 Dollar. Das positive Umfeld sorgte auch für Kursgewinne beim Mischkonzern General Electric, dessen Papiere verteuerten sich um drei Prozent auf 37,30 Dollar.

Zu den Gewinnern zählten zudem die Anteilsscheine des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble , die bei 64 Dollar um ein Prozent im Plus lagen, sowie des Geldhauses Citigroup . Die Aktien des nach Bilanzsumme weltgrößten Finanzinstituts, die auf Zinsnachrichten naturgemäß sehr sensibel reagieren, verteuerten sich um 1,24 Prozent auf 53,77.

ase/mm.de/dpa/reuters

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