Leichtwasser-Technologie Japanische Konzerne planen neue Generation von Atomreaktoren

Der GAU in Fukushima hat in Japan nur wenig Zweifel an der Atomkraft geweckt. Jetzt will Hitachi gemeinsam mit dem US-Konzern General Electric eine neue Leichtwasser-Generation entwickeln.
Atomreaktor (Symbolbild): Abkehr von der Politik des Verzichts auf neue Kernenergie

Atomreaktor (Symbolbild): Abkehr von der Politik des Verzichts auf neue Kernenergie

Foto: Rupert Oberhäuser / IMAGO

Japans Pläne zur Entwicklung von Atomkraftwerken der nächsten Generation nehmen konkrete Gestalt an. Wie die japanische Wirtschaftszeitung »Nikkei« am Freitag berichtete, wollen der Industriekonzern Hitachi und sein US-Partner General Electric einen neuartigen Leichtwasserreaktor entwickeln. Dabei würden gezielt Sicherheitsprobleme angegangen, die 2011 zum GAU im Atomkraftwerk Fukushima in Folge eines Erdbebens und Tsunamis beitrugen. Zuvor gab der Konzern Mitsubishi Heavy Industries bekannt, ebenfalls einen neuen Leichtwasserreaktor entwickeln zu wollen.

Statt der ursprünglich verkündeten Politik des Verzichts auf neue Kernenergie will die Regierung den Bau von Meilern der nächsten Generation inzwischen doch fördern. Das Argument: eine stabile Stromversorgung ohne CO₂-Emissionen in dem rohstoffarmen Inselstaat. Japan, die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Fiskaljahr 2030 (Beginn 1. April) 20 bis 22 Prozent seiner Stromversorgung aus Atomenergie zu erzeugen.

Der vom Gemeinschaftsunternehmen GE Hitachi Nuclear Energy geplante Leichtwasserreaktor basiere zwar auf der gleichen Technologie wie die in Fukushima verwendeten Siedewasserreaktoren. Aber das neue Modell werde in der Lage sein, Kernbrennstoff auch während eines Stromausfalls zu kühlen, berichtete die »Nikkei«. Hierzu sollen Temperaturunterschiede genutzt werden, um eine natürliche Zirkulation des Kühlwassers zu erreichen. Bei dem GAU 2011 war in Folge des Tsunamis die für den Kühlprozess benötigte Stromzufuhr ausgefallen.

Die neuen Reaktoren verfügten zudem über verbesserte Entlüftungsprozesse, die radioaktive Gase herausfiltern und den gereinigten Dampf freisetzen. Bei der Katastrophe 2011 in Fukushima war es wegen eines Druckaufbaus in den Sicherheitsbehältern und verzögerter Entlüftung zu Wasserstoffexplosionen gekommen. Die Kommerzialisierung der neuen Reaktoren sei für Mitte der 2030er-Jahre vorgesehen. Auch Konkurrent Mitsubishi Heavy plant zeitgleich einen neuartigen Leichtwasserreaktor, der sicherer als bestehende Modelle sei.

Nach der Katastrophe von Fukushima führte Japan strengere Sicherheitsstandards ein, die den Betrieb von Reaktoren grundsätzlich auf 40 Jahre begrenzten. Ein Betrieb für weitere 20 Jahre ist jedoch möglich, wenn die Sicherheitseinrichtungen auf den neuesten Stand gebracht werden. Bislang haben 17 Atomreaktoren die Sicherheitsauflagen erfüllt, zehn Meiler davon wurden inzwischen wieder angefahren. Die übrigen sollen folgen.

mik/dpa-AFX
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