Trotz anziehender Konjunktur US-Notenbank belässt Leitzins nahe Null

Die Fed blickt positiver als zuletzt auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Der Leitzins bleibt dennoch auf sehr niedrigem Niveau. Die Debatte über eine Rückführung der extrem lockeren Geldpolitik sei verfrüht.
Fed-Chef Jerome Powell hält ein Ende der lockeren Geldpolitik in den USA für verfrüht

Fed-Chef Jerome Powell hält ein Ende der lockeren Geldpolitik in den USA für verfrüht

Foto: Manuel Balce Ceneta / dpa

Die US-Notenbank Fed sieht die Zeit für eine schrittweise Abkehr von der lockeren Geldpolitik trotz Aufschwungsignalen noch nicht gekommen. Der Leitzins verbleibt wie erwartet auf dem sehr niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent. Dies sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der langfristig niedrigen Inflationsrate angemessen, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung. Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur sollen weitergehen.

Analysten hatten vor der Fed-Entscheidung damit gerechnet, dass die Notenbank an in ihrem bisherigen Kurs festhalten wird. Die Entscheidung fiel im geldpolitischen Ausschuss FOMC einstimmig. Die Fed hat in der Coronakrise mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, um die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft zu stützen. Notenbankchef Jerome Powell trat jüngsten Spekulationen entgegen, die Zentralbank könnte sich schon mit einer sachten Rückführung ihrer Wertpapierkäufe beschäftigen.

Allerdings zeigt sich die Zentralbank etwas zuversichtlicher für die wirtschaftliche Entwicklung. In Anbetracht von Fortschritten in der Impfkampagne und starker staatlicher Unterstützung hätten sich die Indikatoren für die wirtschaftliche Aktivität und die Beschäftigung verbessert, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Wirtschaftsbereiche, die von der Pandemie besonders betroffen seien, entwickelten sich zwar immer noch schwach. Allerdings habe es auch in diesen Bereichen Verbesserungen gegeben.

Die zuletzt deutlich gestiegene Inflation führt die Notenbank überwiegend auf temporäre Faktoren zurück. Die Corona-Pandemie stelle ein Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick dar. Auch diese Formulierung ist etwas günstiger als eine entsprechende Passage nach der vorherigen Zinssitzung, als von einer erheblichen Belastung durch die Pandemie die Rede gewesen war. Zuletzt hatten die meisten Wirtschaftsdaten ein günstiges Bild gezeichnet und eine deutliche konjunkturelle Erholung nahegelegt.

Eine Debatte über die Rückführung der extrem lockeren Geldpolitik bezeichnete Notenbankchef Jerome Powell als verfrüht. Gefragt nach dieser an den Finanzmärkten laufenden Diskussion, sagte Powell: »Nein, es ist noch nicht so weit.« Man werde die Öffentlichkeit wissen lassen, wann eine solche Debatte angezeigt sei. Dies werde deutlich vor einer entsprechenden geldpolitischen Entscheidung geschehen.

Die meisten Prognosen rechnen für die USA in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent. Die Hauptgründe für die wirtschaftliche Erholung sind Analysten zufolge die Impfungen und das jüngst vom Kongress verabschiedete Corona-Konjunkturpaket in Höhe von knapp zwei Billionen Dollar. Das entspricht fast zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in den USA. Im vergangenen Jahr hatte der Kongress bereits Pakete mit einem Volumen von fast drei Billionen Dollar auf den Weg gebracht.

svs/dpa/Reuters