Job-Boom Deutsche Industrie trotzt der Kreditkrise

Die Rezessionsangst in den USA macht der deutschen Industrie nichts aus: Im Januar haben die Firmen so viele Stellen geschaffen wie seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Einer Umfrage zufolge ist die Stimmung im gesamten Euroraum gut.


Berlin - Die deutsche Industrie ist mit Schwung ins neue Jahr gestartet. Trotz Kreditkrise, Börsencrash und Milliardenabschreibungen der Banken schaffen die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe massenweise neue Jobs. Der Einkaufsmanager-Index für die deutsche Industrie ist im Januar von 53,6 auf 54,4 Punkte gestiegen, wie das britische Forschungsinstitut NTC mitteilte. Analysten hatten ein Verharren auf dem Vormonatsniveau erwartet.

Industriearbeiter (auf der Hannover Messe): Volle Auftragsbücher
DPA

Industriearbeiter (auf der Hannover Messe): Volle Auftragsbücher

Ein Indexwert über 50 bedeutet ein Wachstum im Vergleich zum Vormonat. Ein Wert unter 50 signalisiert einen Rückgang. Als Frühindikator spiegelt der NTC-Einkaufsmanagerindex mit hoher Aktualität die konjunkturelle Lage wieder.

"Die Zahlen belegen, dass sich das Produktionswachstum erholt", sagte NTC-Volkswirt Tim Moore. Wegen der guten Geschäftslage schufen die Firmen im Januar so viele Stellen wie seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Vor allem die Hersteller von Investitionsgütern steigerten ihre Produktion. Die Unternehmen erhöhen ihren Ausstoß damit seit fast zweieinhalb Jahren. Daneben konnten auch die Konsumgüterhersteller ihre Auftragsbücher füllen: Das Barometer für den Auftragseingang in der Industrie stieg von 50,9 auf 52,1 Punkte.

Besonders bemerkenswert: Trotz des hohen Euro-Kurses und der schwächelnden US-Wirtschaft legten die Aufträge aus dem Ausland stärker zu als in den vergangenen drei Monaten. Um die Aufträge abarbeiten zu können, rekrutierten die Unternehmen so viele Mitarbeiter wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr: Der Index für die Beschäftigung stieg von 55,0 auf 55,6 Punkte.

Was für Deutschland gilt, ist auch im Euroraum der Fall. Laut NTC verspüren die Industriefirmen trotz Börsencrash und Rezessionsangst in den USA leichten Aufwind. Der europäische Einkaufsmanagerindex stieg von 52,6 auf 52,8 Punkte. Das hat eine Umfrage unter rund 3000 Unternehmen ergeben. Der Wert lag über vorläufigen Berechnungen des Instituts.

Damit signalisiert das Barometer weiter Wachstum, dessen Dynamik gegenüber dem Vormonat sogar etwas zulegte. Insbesondere die Firmen in Deutschland und Frankreich zeigten sich in robuster Verfassung, während der Sektor in Italien und Spanien schwächelt. "Die Daten zeigen insgesamt, dass es ein schleppendes, wenn auch noch ordentliches Wachstum gibt", sagte Jacques Cailloux, der für die Euro-Zone zuständige Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland (RBS).

wal/Reuters



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