Job-Kahlschlag 32.000 Telekom-Mitarbeiter müssen gehen

Die Deutsche Telekom will in den kommenden drei Jahren im großen Stil Personal einsparen. Betroffen sind vor allem die Festnetzsparte T-Com und die Auffanggesellschaft Vivento. Die Gewerkschaft Ver.di nennt die Vorschläge "unverantwortlich".


Bonn - In einer Ad-hoc Mitteilung gab das Unternehmen bekannt, im Rahmen eines "umfangreichen Personalumbaus" müssten in den nächsten drei Jahren 32.000 Mitarbeiter gehen. Das werde den Konzern insgesamt 3,3 Milliarden Euro kosten.

Telekom-Zentrale: Kahlschlag in Bonn
DPA

Telekom-Zentrale: Kahlschlag in Bonn

"Wir haben heute mit der Arbeitnehmerseite die Verhandlungen aufgenommen", sagte ein Telekom-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Bis Ende 2008 werde es, wie mit der Gewerkschaft vereinbart, keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Einschnitte sollen über "freiwillige Personalabbauinstrumente" wie Angebote zur Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen.

"Mit Blick auf Beamte sind Gespräche mit dem Bund hinsichtlich einer Vorruhestandsregelung notwendig", erklärte der Konzern. Die Telekom hatte Ende Juni gut 244.000 Mitarbeiter, davon waren noch mehr als 46.600 Beamte. In den vergangenen zehn Jahren hat die Telekom bereits 100.000 Stellen abgebaut. Sie ist damit nur einer von mehreren Global Playern in Deutschland, die massiv Personal abbaut.

"Der weltweite Umbruch der Branche, die rasante technologische Entwicklung und besonders der regulierungsbedingt harte Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandbereich in Deutschland stellen den gesamten Konzern vor verschärfte Herausforderungen", begründete die Telekom die Entscheidung. "Einerseits müssen in wegbrechenden alten Kernmärkten Stellen abgebaut werden, andererseits besteht die Chance, in neuen innovativen Märkten Stellen zu schaffen."

Nach der Mitteilung konnten Aktien des Unternehmens ihr Kursplus ausbauen. Die T-Aktie legte im Frankfurter Handel um 2,28 Prozent auf 14,83 Euro zu.

Ver.di kündigt Widerstand an

Die Gewerkschaft Ver.di hat Widerstand gegen den vorgesehenen Personalabbau angekündigt. "Wir stehen den vorgelegten Plänen ablehnend gegenüber und werden in den weiteren Gesprächen jede einzelne Maßnahme hinterfragen", erklärte der Ver.di-Vizevorsitzende Franz Treml, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrates ist.

Die Vorschläge seien unverantwortlich und dienten nur dazu, den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Der Telekom gehe es glänzend, wie auch der "Rekordüberschuss" und die hohe Dividende zeigten. "Jetzt sollen offensichtlich wieder die Beschäftigten die Zeche zahlen, obwohl sie dem Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren mit ihrem Beitrag zum Beschäftigungsbündnis aus tiefroten Zahlen geholfen haben", kritisierte Treml.

Telekom: Bei mehr Regulierung wird es schlimmer

Unter den 32.000 Mitarbeitern sind laut Telekom 7000 Angestellte der Beschäftigungsgesellschaft Vivento. "Die Vivento-Aktivitäten werden aus dem Konzern ausgegliedert", sagte der Sprecher. Dabei handele es sich um Geschäftsbereiche wie Call- oder Service-Center, für die nun Käufer gesucht werden sollen.

Den übrigen 25.000 Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen müssten, stünden etwa 6000 Neueinstellungen gegenüber, so dass sich die Zahl der Arbeitsplätze insgesamt um 19.000 reduziere. "Vor allem wollen wir Azubis übernehmen", sagte der Sprecher.

Die Telekom warnte allerdings vor dem Wegfall von weiteren 5000 Stellen, falls beispielsweise der Aufbau eines Hochgeschwindigkeits- Glasfasernetzes auf Grund von Regulierung dieses neuen Marktes gefährdet sei.



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