Job-Verlagerungen ins Ausland Benneter beschimpft Industrie-Boss als vaterlandslosen Gesellen

Der neue SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter hat in scharfer Form auf Äußerungen des DIHK-Chefs Ludwig Georg Braun reagiert. Wer wie Braun die Verlagerung von deutschen Jobs ins Ausland befürworte, sei ein vaterlandsloser Geselle.


Klaus Uwe Benneter: Deutsche Unternehmen sollten deutsche Arbeitsplätze erhalten
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Klaus Uwe Benneter: Deutsche Unternehmen sollten deutsche Arbeitsplätze erhalten

Halle - Ludwig Georg Braun, der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hatte Unternehmen geraten, die Möglichkeiten der Internationalisierung zu prüfen. Gegebenenfalls müsse man Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. "Ich empfehle den Unternehmen, nicht auf eine bessere Politik zu warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen."

Damit würden letztlich auch Arbeitsplätze und Lehrstellen in Deutschland gesichert. Derzeit werde in der Bundesrepublik selbst kaum Geld verdient, so der DIHK-Chef. "Der Gewinn kommt zumeist aus dem Ausland." Der Bundesregierung attestierte Braun ein offenbar "grundlegend falsches Verständnis von Wirtschaft". Zu den herausragenden Aufgaben von Politik gehöre es, Vertrauen zu schaffen, damit die Bürger konsumierten und die Wirtschaft investiere, betonte er gegenüber dem Blatt. "Das geht aber nicht, wenn permanent Gesetze und Regelungen verändert werden."

Benneters patriotischer Bannstrahl

Benneter sagte als Reaktion am Montag im MDR, der Präsident des DIHK betätige sich "vaterlandslos". Wirtschaftsführer wie Braun missbrauchten ihre Stellung dafür, die Bundesrepublik und ihre Wirtschaft schlecht zu reden. "Das ist eine unanständige Art und Weise, mit unseren Möglichkeiten umzugehen", fügte Benneter hinzu.

Auch Regierungssprecher Bela Anda hat die Äußerungen Brauns im Namen von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) scharf kritisiert. "Das ist ein unpatriotischer Akt", sagte er am Montag in Berlin. Diese Haltung habe der Kanzler in einer internen Runde deutlich gemacht. "Das verengt das, was notwendig und wichtig ist für unser Land, auf eine rein betriebswirtschaftliche Sichtweise."

Unklar ist, ob Benneter bewusst die historische Parallele zog, als er den Begriff des "vaterlandslosen Gesellen" aufgriff. Als solche hatte Reichskanzler Otto von Bismarck in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts nämlich Mitglieder der SPD bezeichnet - wegen der internationalen Ausrichtung der sozialistischen Bewegung.



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