Jobabbau Glos zeigt Verständnis für Telekom-Kahlschlag

Bei der Deutschen Telekom sollen 32.000 Mitarbeiter gehen. Während die Gewerkschaft Ver.di gegen den Kahlschlag wettert, bekommt der Bonner Konzern Rückendeckung vom Wirtschaftsminister in spe, Michael Glos.


Bonn/Berlin - Der designierte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bedauerte den Stellenabbau bei dem einstigen Staatskonzern. "Wir können nicht künstlich Arbeitplätze halten, die nicht mehr gebraucht werden", schränkte Glos jedoch ein. In Deutschland müssten neue Arbeitsplätze gerade auch im Hochtechnologiebereich global wettbewerbsfähig sein. Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen setzen, fügte er hinzu.

CSU-Politiker Glos: "Arbeitplätze nicht künstlich halten"
DPA

CSU-Politiker Glos: "Arbeitplätze nicht künstlich halten"

Die Telekom hatte zuvor angekündigt, den Stellenabbau zu forcieren. In den kommenden drei Jahren müssen noch einmal rund 32.000 Mitarbeiter in Deutschland das Unternehmen verlassen. Die Hauptlast trage die Festnetzsparte T-Com, wo jede fünfte Stelle wegfalle. Außerdem sind auch die IT-Sparte T-Systems und die Verwaltung betroffen.

In die Stellenstreichungen eingerechnet sind nach Angaben der Telekom rund 7000 Mitarbeiter der konzerneigenen Beschäftigungsgesellschaft Vivento, die ebenfalls gehen müssen. Sie würden künftig für andere Unternehmen tätig. Das hausinterne Arbeitsamt der Telekom beschäftigt derzeit rund 16.500 ehemalige Mitarbeiter. Seit das Telefongeschäft vor zehn Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, hat der Konzern mehr als 100.000 Stellen gestrichen.

Gemäß einer früheren Vereinbarung soll es jetzt keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Telekom bezifferte die Kosten für den Stellenabbau auf rund 3,3 Milliarden Euro, verteilt über drei Jahre.

Telekom-Zentrale: Kahlschlag in Bonn
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Telekom-Zentrale: Kahlschlag in Bonn

Ver.di-Vize Franz Treml warf der Telekom im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE Verantwortungslosigkeit vor. Dem Konzern gehe es glänzend, wie auch der Rekordüberschuss und die hohe Dividende verdeutlichten. Von den "Horror-Zahlen", die nun im Raume stünden, sei man überrascht und schockiert, sagte Treml, der auch Vize-Aufsichtratschef der Telekom ist.

Die Beschäftigten würden unnötig in "Angst und Not" versetzt, sagte er weiter. Wichtiger und richtiger wäre es aus seiner Sicht, die Telekom durch Investitionen und eine Verbesserung des Service ihre Position gegenüber der Konkurrenz stärke. Treml sagte, die Telekom sei aus seiner Sicht nicht personell überbesetzt. "Wenn Sie mit den Leuten im Betrieb sprechen und von ihrer Arbeitsbelastung hören, kann man das sicher nicht sagen."

Parallel zum Jobabbau plant die Deutsche Telekom etwa 6000 Neueinstellungen beim Aufbau des Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes und in den T-Punkten. "Der weltweite Umbruch der Branche, die rasante technologische Entwicklung und besonders der regulierungsbedingt harte Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandbereich in Deutschland stellen den gesamten Konzern vor verschärfte Herausforderungen", erklärte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Einerseits müsse der Konzern in bisherigen Kernmärkten Stellen abbauen, andererseits könnten in "innovativen Bereichen" Stellen neu geschaffen werden.



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