Jobabbau Krise schlägt voll auf Arbeitsmarkt durch

Kurzarbeit hilft nicht mehr: Laut Statistischem Bundesamt sind die Arbeitsstunden in der deutschen Industrie durch die Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen. Selbst Betriebe, die bislang gesund schienen, bauen jetzt massiv Arbeitsplätze ab.


Wiesbaden - Deutlich weniger Jobs in der deutschen Industrie: Im Januar hat das verarbeitende Gewerbe im Vergleich zum Vormonat fast 42.000 Stellen abgebaut. Das entspricht 0,8 Prozent aller Arbeitsplätze. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sei um fast elf Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit.

Traditionsbetrieb Heidelberger Druckmaschinen: Ein Viertel weniger Stellen
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Traditionsbetrieb Heidelberger Druckmaschinen: Ein Viertel weniger Stellen

Verglichen mit dem Vorjahr konnten die Industriebetriebe ihre Beschäftigung zwar geringfügig steigern: Insgesamt waren mit knapp 5,17 Millionen 0,3 Prozent mehr Menschen beschäftigt als im Januar 2008. Die insgesamt gezahlten Entgelte lagen bei 17,3 Milliarden Euro.

Doch der bescheidene Zuwachs kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Industrie in einem deutlichen Abwärtstrend befindet: Bereits seit April vergangenen Jahres verlangsamte sich das Jobwachstum im verarbeitenden Gewerbe kontinuierlich. Seit Oktober 2008 werden Monat für Monat Stellen gestrichen. Die Wirtschaftskrise hat damit den Arbeitsmarkt voll erreicht. Die Bundesagentur für Arbeit fürchtet, dass die Zahl der Arbeitslosen noch in diesem Jahr auf vier Millionen Menschen steigen könnte.

Zahlreiche Unternehmen haben im Zuge der Wirtschaftskrise wegen des drastischen Einbruchs der Aufträge Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und befristete Verträge nicht verlängert. Durch diese Maßnahmen konnte bisher ein noch größerer Stellenabbau verhindert werden. Doch der Puffer Kurzarbeit nutzt sich ab - die Firmen kommen an Entlassungen nicht vorbei.

Besonders die Autohersteller haben von dem Instrument Gebrauch gemacht: Die Zahl der Arbeitsstunden in der Autoindustrie sank deshalb um fast 20 Prozent. Die Entgelte für die Beschäftigten gingen um zwei Prozent zurück.

Im Herbst vergangenen Jahres war die Nachfrage nach Autos dramatisch eingebrochen. Viele Hersteller wollen deshalb Geld sparen und Personal abbauen. Die Zahl der Mitarbeiter bei Autofirmen und Zulieferern sank im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,7 Prozent auf 740.000. So will der Autozulieferer Mahle sein Werk in Alzenau schließen. 400 Mahle-Mitarbeiter sind betroffen.

Doch nicht nur die Autobranche ist betroffen: Der Traditionsbetrieb Heidelberger Druckmaschinen will sogar ein Vierteil seiner 20.000 Stellen streichen. "Das wird ohne betriebsbedingte Kündigungen nicht gehen", sagt Heideldruck-Chef Bernhard Schreier im "Handelsblatt".

Thyssen-Krupp hat bereits entschieden, 1000 Produktionsstellen zu streichen - trotz Kurzarbeit. Bei dem Düsseldorfer Stahlriesen könnten darüber hinaus sogar noch weitere Stellen reduziert werden.

maf/AP/dpa-AFX/Reuters



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