Jobkrise US-Arbeitslosenquote erreicht neuen Rekordwert

US-Präsident Obama bleibt nicht mehr viel Zeit für sein Konjunkturpaket, wenn er den massenhaften Jobabbau stoppen will. Im Januar erreichte die Zahl der Erwerbslosen einen neuen Rekord - und stieg so stark wie seit rund 34 Jahren nicht mehr.


Washington - Die Talfahrt am US-Arbeitsmarkt hat sich auch zum Jahresbeginn 2009 fortgesetzt - und sich sogar noch beschleunigt, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag mit. Die Arbeitslosenquote liegt inzwischen nach Rechnung der Statistiker bei 7,6 Prozent - 0,4 Punkte höher als noch im Dezember 2008.

Bauarbeiter in den USA: Beschäftigungsquote sinkt seit 13 Monaten
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Bauarbeiter in den USA: Beschäftigungsquote sinkt seit 13 Monaten

Außerhalb der Landwirtschaft sank die Zahl der Beschäftigten im Januar auf Monatssicht um 598.000. Dies ist der 13. Rückgang in Folge und der stärkste Stellenabbau seit Ende 1974. Volkswirte hatten für Januar mit einem Minus von 524.000 Stellen gerechnet. Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsrückgang in den beiden Vormonaten Dezember und November um rund 66.000 Stellen größer als bislang ausgewiesen. Damit wurden in den vergangenen drei Monaten über 1,7 Millionen Stellen abgebaut. Seit Beginn der Rezession, der von Wirtschaftswissenschaftlern im Dezember 2007 angesetzt wird, gingen damit 3,6 Millionen Arbeitsplätze in den USA verloren - allein die Hälfte davon in den vergangenen drei Monaten.

Keine Besserung in Sicht

Der hohe Beschäftigungsabbau in den USA wird nach Einschätzung der Commerzbank auch in den nächsten Monaten anhalten. "Der Arbeitsmarkt läuft der Konjunktur nach und eine Stabilisierung der Konjunktur wird erst im zweiten Halbjahr erwartet", sagte Bernd Weidensteiner, USA-Experte der Commerzbank. Daher sei erst im kommenden Jahr mit einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt zu rechnen.

"Eine Trendwende bei der Beschäftigung ist unseres Erachtens vor dem dritten Quartal 2009 nicht zu erwarten", heißt es auch in einer Kurzstudie des Bankhauses. Der Arbeitsmarkt sei "in einer sehr schwachen Phase", die auch in den kommenden Monaten anhalten dürfte.

US-Präsident Barack Obama kämpft derweil für sein Konjunkturpaket. Er wolle das Gesetz mit den Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur in der kommenden Woche zur Unterzeichnung auf seinem Schreibtisch haben, erklärte er. Im Senat standen am Freitag zunächst Beratungen über weitere Änderungsanträge an. Sollte der Plan nicht rasch umgesetzt werden, stehe die Wirtschaft vor einer Katastrophe, sagte Obama.

Republikaner bremsen Konjunkturpaket

Obama rief die Senatoren auf, auf politische Spielchen zu verzichten. Die Wähler hätten die Republikaner nicht abgewählt, weil sie den Status quo behalten wollten. "Sie haben uns gewählt, damit wir etwas verändern. Wir sind es ihnen schuldig, das auch umzusetzen." Er räumte ein, das Konjunkturprogramm werde "nicht absolut perfekt" sein. Aber jeder müsse nun ein paar Opfer bringen.

Nach heftiger Kritik aus dem Ausland hatte der Senat am Mittwoch eine protektionistische Passage des Konjunkturpakets entschärft. Eine Streichung der "Buy American"-Klausel lehnten die Senatoren zwar ab, beschlossen aber, dass alle Bestimmungen des Programms in Einklang mit internationalen Handelsvereinbarungen stehen müssen.

Damit ist die Gefahr des Protektionismus de facto gebannt. In dem Gesetzentwurf, der bereits im Repräsentantenhaus beschlossen wurde, steht auch nach der Entscheidung des Senats die Forderung, dass für Infrastrukturprojekte nur Eisen und Stahl aus US-Produktion verwendet werden darf.

mik/dpa-AFX/AP



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Frank Wagner, 05.02.2009
1.
Und wieder ein extremes Beispiel für die Doppelzüngigkeit des Westens. Da wurde über Jahrzehnte der Freihandel als allein selig machendes Modell mit großem Druck in die letzte Ecke der Welt getrieben, Millionen von Menschen und ganze Länder dafü ins Elende getrieben und nun wo das Pendel zurück schlägt soll all das nicht mehr gelten ? Das wir der Glaubwürdigkeit des Westens und besonders der USA einen weiteren schweren Schlag versetzten. Die Frage ist, ob wir es uns heute noch leisten können es uns mit Staaten wie China, Indien und Co auf diese Weise zu verscherzen.
Der Pragmatist 05.02.2009
2. Die Depression, der Wunsch der Linken
Zitat von sysopAngesichts der schweren Wirtschaftskrise denken Staaten weltweit über die Abschottung ihrer Märkte nach. Heimische Unternehmen und Arbeitsplätze sollen so geschützt werden. Kann der Wirtschafstpatriotismus die Konjunkturprobleme lösen?
Der erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Volker Gretz, 05.02.2009
3.
Zitat von Frank WagnerUnd wieder ein extremes Beispiel für die Doppelzüngigkeit des Westens. Da wurde über Jahrzehnte der Freihandel als allein selig machendes Modell mit großem Druck in die letzte Ecke der Welt getrieben, Millionen von Menschen und ganze Länder dafü ins Elende getrieben und nun wo das Pendel zurück schlägt soll all das nicht mehr gelten ? Das wir der Glaubwürdigkeit des Westens und besonders der USA einen weiteren schweren Schlag versetzten. Die Frage ist, ob wir es uns heute noch leisten können es uns mit Staaten wie China, Indien und Co auf diese Weise zu verscherzen.
Aber China macht doch genau das. Sie können dort nur etwas verlaufen, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz dort auch herstellen.
Pinarello, 05.02.2009
4.
Zitat von Der PragmatistDer erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Ach so, der neue "Messias" Barak Obama ist demnach ein ewig Linker und Globalisierungsgegner. Sieh an sieh an, wer hätte das vom Messias gedacht? Übrigens, die armen Menschen in Asien und Lateinamerika sind immer noch arm, es wurden nur die paar Reichen noch unermeßlich reicher, siehe China die systematische Ausbeutung der rund 200 Mio Wanderarbeiter, die Vorfälle mit den Sklavenarbeitern in den Ziegeleien ist ja noch bekannt, wurde wohl nur beendet weil die Olympischen Spiele in Peking vor der Tür standen. Da geht es den normalen Menschen in Deutschland ja nicht anders, auch hier wurden die Menschen immer ärmer, siehe Agenda 2010 und Lohndumping der lezten 10-15 Jahren, Ergebnis: die stärkste Volkswirtschaft Europas ist seit 10 Jahren nichtin der Lage, eine stabile Binnenkonjunktur aufzubauen, was die 40 Jahre vorher der Fall war. Allerdings die Reichen wurden noch reicher, die hatten genug Geld um es im internationalem Finanzkarusell zu verballern, die Rechnung zahlt jetzt wieder, richtig der arme Bürger mit seinen Steuern und rapider Geldentwertung.
katastrophen_michel 05.02.2009
5.
Zitat von Der PragmatistDer erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Genau, darum geht die Schere zwischen reich und arm auch immer weiter auseinander, besonders in den von Ihnen zitierten Regionen. Wenn Sie natürlich einen Farbfernseher als eine besondere Errungenschaft ansehen, meinen Glückwunsch. Globalisierung ja, aber bitte für alle. http://www.youtube.com/watch?v=6E6M3Wsyhro Nehmen Sie mir es bitte nicht übel, aber der Name Realitätsverlust würde meiner Meinung nach besser zu Ihnen passen.
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