JP Morgan analysiert So bewegen Trumps Twitter-Tiraden den Finanzmarkt

Donald Trump twittert "China" und "Zölle" - und schon fallen die Kurse. Die Bank JP Morgan hat nun ein Messinstrument für den Effekt entwickelt - den "Volfefe-Index".

Twitter-Profil von Donald Trump:
Alexander Pohl/NurPhoto via Getty Images

Twitter-Profil von Donald Trump:

Von manager-magazin.de-Redakteur


Es ist nicht ganz klar, ob die US-Bank JP Morgan das wirklich ernst meint - oder ob sich deren Analysten lediglich einen großangelegten Spaß erlaubt haben: In einer nicht weniger als elf DIN-A4-Seiten umfassenden Analyse legen sie dar, wie sie die Twitter-Aktivitäten des US-Präsidenten Donald Trump sowie deren Auswirkungen auf den US-Anleihemarkt unter die Lupe genommen haben. Wortreich, streng wissenschaftlich, mit mathematischen Berechnungen und zahlreichen Charts und Grafiken.

Das Ergebnis dürfte weder Finanzprofis noch Laien sonderlich überraschen: Trump nutzt den Kurznachrichtendienst, auf dem rund 64 Millionen Menschen die Botschaften des US-Präsidenten verfolgen, geradezu exzessiv. In letzter Zeit hat seine Aktivität auf Twitter sogar noch zugenommen.

Die Wall-Street-Bank stellt fest: Trumps Twitter-Botschaften, seit Amtsantritt bereits deutlich mehr als 10.000, enthalten seit einiger Zeit immer häufiger Inhalte, die die Märkte bewegen. JP Morgan hat dies anhand der Reaktionen des US-Anleihemarktes untersucht, schreibt jedoch, dass sich die Aktienbörse oder der Devisenhandel für die Analyse ebenso angeboten hätten.

Vor allem Tweets zum Welthandel sowie zur Geldpolitik sorgen immer häufiger für Bewegung am US-Bond-Markt, schreibt die Bank. Um das herauszubekommen, hätte allerdings ein regelmäßiger Blick in die Finanzberichterstattung einschlägiger Medien ausgereicht: Seit Monaten verunsichert US-Präsident Trump Investoren rund um den Globus mit immer neuen Drohungen im Handelsstreit in Richtung China sowie mit heftiger Kritik an der US-Notenbank Fed, die nach Ansicht Trumps eine allzu rigide Zinspolitik betreibt.

Von "Democrats" bis "great"

Diese unscharfe Feststellung scheint den Bankern von JP Morgan aber nicht zu genügen. Sie haben Trumps Twitter-Universum auf das genaueste durchleuchtet, um beispielsweise zu ermitteln, wann Trump am liebsten twittert (zwischen zwölf und zwei Uhr mittags), wie oft Trumps Tweets "geliked" und "retweetet" werden (zuletzt immer weniger) und welche Begriffe sich in Trumps Botschaften als besonders marktbewegend erweisen ("China" steht an der Spitze des Rankings, gefolgt von "Billion", "Products", "Democrats" und - selbstverständlich - "Great").

Aus der Analyse hat JP Morgan einen neuen Index entwickelt: Der "Volfefe Index" misst nach Angaben der Bank präzise den Einfluss von Trumps Tweets auf die Schwankungen am US-Anleihemarkt. Und tatsächlich: Laut JP Morgan zeigt er, dass Trump mit seinen Botschaften die Volatilität am Markt zuletzt messbar erhöht hat.

Viel Wind also um ein an sich banales und weithin längst bekanntes Phänomen. Der Name des Index übrigens - "Volfefe" - ist offenbar eine Zusammensetzung aus "Volatilität" und "covfefe", einem Begriff, den Trump vor gut zwei Jahren - offensichtlich aus Versehen - in einem Tweet veröffentlichte, und der danach einen kurzzeitigen Social-Media-Hype auslöste.

Niemand wusste, was "covfefe" wirklich bedeuten sollte, und das Rätseln darum wurde eine Zeit lang zu einem großen Spaß für die Netzgemeinde. Ähnlich viel Spaß hatten die JP-Morgan-Analysten jetzt vermutlich beim Verfassen ihrer großen Trump-Twitter-Finanzmarkt-Analyse.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
draco20007 10.09.2019
1.
Interessant wäre die Frage ob die Börsenaufsicht Trumps näheres und "weiteres" Umfeld im Auge hat. Jemand der die Tweets kurz vorher kennt kann damit ohne weiteres Millionen machen...
fredotorpedo 10.09.2019
2. Insiderhandel
Mehrfach hatte ich SPON vorgeschlagen, die Auswirkungen der Tweets auf die Börsen zu analysieren. Jetzt hat JP Morgan das vollzogen. Ich bin überzeugt, dass einige von Trumps Spendern den einen oder anderen Tweet vorher angekündigt bekommen. Sicher nicht jeden, denn dann würde es am ehesten auffallen.
geri&freki 10.09.2019
3. Neue Maßeinheit
Dann werden die wilden Ausschläge des Dow-Jones-Index' - und anderer maßgeblicher Börsen-Barometer - wohl demnächst in "Trump" gemessen... Und der nächste Börsen-Absturz dürfte dann als "Mega-Trump" in die Geschichte eingehen!
steinbock8 10.09.2019
4. Es schon erstaunlich
wie ein Präsident, mit einer Stoerung , die ganze Weltwirtschaft durcheinander bringen kann. Vielleicht sollten sich die Banken einen Trumpfilter zulegen.
Knack5401 10.09.2019
5. Logo
macht der in irgendeiner Form damit Kohle. Dafür wurde er ja Präsident.
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