Jukos-Affäre Öl-Boss Chodorkowski tritt ab

Das harte Vorgehen russischer Staatsanwälte gegen Jukos-Chef Michail Chodorkowski zeigt Wirkung. Im Gefängnis gab der Ölmilliardär den Rücktritt vom Chefposten seines Konzerns bekannt. An der Moskauer Börse stieg der Kurs der Jukos-Aktie kräftig an.




Ölmagnat Chodorkowski: Seit dem 25. Oktober hinter Gittern
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Ölmagnat Chodorkowski: Seit dem 25. Oktober hinter Gittern

Moskau - "Ich verlasse das Unternehmen", erklärte Chodorkowski gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax. Er sei sicher, dass ein erfahrenes Management-Team mit Unterstützung des Direktoriums erfolgreich die Globalisierungsstrategie des jüngst fusionierten JukosSibneft-Konzerns vorantreiben werde.

Sein Nachfolger soll offenbar der bisherige Vorsitzende des Direktoriums von Jukos, Simon Kukes, werden. Kukes werde den aus sieben Personen bestehenden neuen Vorstand leiten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. "Dieser neue Vorstand wird de facto das Unternehmen managen", hieß es.

Der Anwalt des Ölmagnaten Michail Chodorkowski forderte die Europäische Union auf, Druck auf die russische Regierung auszuüben. Die Verhaftung des Jukos-Chefs müsse beim EU-Russland-Gipfel am Donnerstag zur Sprache kommen, sagte der kanadische Anwalt Robert Amsterdam am Montag in Brüssel.

Die Staatsanwaltschaft hatte Chodorkowski vor mehr als einer Woche festgenommen und später einen großen Teil der Aktien des Unternehmens beschlagnahmt. Chodorkowski, dem politische Ambitionen nachgesagt werden, werden unter anderem Steuerhinterziehung und Betrug vorgeworfen. Insgesamt soll er dem russischen Staat mit illegalen Transaktionen rund eine Milliarde Dollar an Einnahmen vorenthalten haben. Nach Angaben seiner Anwälte kann der reichste Mann Russlands, dessen Privatvermögen auf rund acht Milliarden Dollar geschätzt wird, vor Jahresende nicht mit einer Verhandlung rechnen.

An der Moskauer Börse reagierte die Jukos-Aktie mit kräftigen Kursaufschlägen. Sie stiegen binnen weniger Minuten um fast 4 Prozent an und schlossen auf dem Handelssystem RTS mit plus 12,95 Prozent bei 12,65 Dollar. Börsianer rechnen damit, dass der Konflikt um Jukos nach Chodorkowskis Rücktritt schneller beigelegt wird, meldete die Agentur Interfax. Am 24. Oktober, einen Tag vor Chodorkowskis Festnahme, war das Yukos-Papier noch mit 14,42 Dollar aus dem Handel gegangen.

Nach Angaben von "Le Monde" muss Chodorkowski jedoch nicht um sein Vermögen fürchten. Der Milliardär habe seine eigenen Jukos-Anteile sicher im westlichen Ausland geparkt, heißt es in einem Bericht der Zeitung. Demnach liegen die Aktien über die ineinander verschachtelten Holdings Hulley Enterprises (Zypern) und Yukos Universal (Insel Man) bei der Menatep Group auf Gibraltar.

Die Menatep Group (Briefkasten 246 im Regal F des Regal House) sei eine von 60.000 Briefkastenfirmen auf Gibraltar, schreibt das Blatt in seiner Montagausgabe. Nach den Jukos-Statuten fielen Chodorkowskis Firmenanteile samt Stimmrechten an den Treuhänder Menatep Group, sobald der Manager - zum Beispiel wegen seiner Inhaftierung - nicht mehr direkt über sie verfügen dürfe.

Die Menatep Group sei vom English Trust Act von 1893 gesetzlich vor Beschlagnahme von Aktien wegen Vergehen wie Steuerhinterziehung der Steuerbetrugs geschützt, wie sie Chodorkowski vorgeworfen werden, schreibt "Le Monde" unter Berufung auf das Anwaltsbüro Marache & Co. auf Gibraltar.

Die russischen Behörden müssten den Manager schon erfolgreich wegen Geldwäsche vor dem Obersten Gerichtshof der englischen Kronkolonie verklagen, um eine Chance auf Beschlagnahme der Anteile zu haben.

An der Menatep Group hält Chodorkowski dem Bericht zufolge 50 Prozent über ein Special Trust Arrangement sowie weitere 9,5 Prozent direkt. Jeweils sieben Prozent liegen beim Duma-Abgeordneten Wladimir Dubow und beim Generaldirektor der Yukos-Managementgruppe, Wassili Schachnowski. Acht Prozent hält der Föderationsrats-Abgeordnete Leonid Newslin und sieben Prozent der - seit Juli inhaftierte - Menatep-Generaldirektor Platon Lebedew.



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