Springer-Affäre Vizechef der Zeitungsverleger tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Es schien, als hätten die Enthüllungen rund um die »Bild«-Affäre und Springer-Chef Mathias Döpfner keine Auswirkungen auf den Verlegerverband BDZV. Nun aber legt Vize-Präsident Thomas Düffert sein Amt nieder.
Zurückgetretener Verlegerverband-Vize-Präsident Thomas Düffert

Zurückgetretener Verlegerverband-Vize-Präsident Thomas Düffert

Foto: Oliver Reetz / Madsack

Thomas Düffert, stellvertretender Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Das geht aus einem Schreiben hervor, mit dem sich Düffert an Mitglieder des Präsidiums wandte und das dem SPIEGEL vorliegt. Der Vorstandsvorsitzende der Madsack Mediengruppe benennt in seiner Rücktrittsankündigung keine konkreten Gründe.

Tatsächlich dürfte der Schritt aber mit den jüngsten Enthüllungen rund um BDZV-Präsident und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner zu tun haben. Laut Recherchen der »Financial Times« soll dieser die Untersuchungen gegen den früheren »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt im eigenen Haus verschleppt haben – und sogar Gegenermittlungen zu vermeintlichen Hinterleuten angestellt haben. Reichelt musste sich wegen mutmaßlichen Machtmissbrauchs gegenüber mehreren Mitarbeiterinnen einer internen Untersuchung unterziehen und verlor schlussendlich seinen Job.

»Klar ist, dass wir als Branche nur dann beste Chancen haben, uns Gehör zu verschaffen, wenn wir gemeinsam vertrauensvoll zum Nutzen aller kleinen und großen Zeitungsverlage in Deutschland zusammenarbeiten«, schreibt Düffert. Dafür stehe er selbstverständlich auch weiterhin als Mitglied des Präsidiums ein. »Mein Amt als stellvertretender Präsident des BDZV hingegen lege ich mit sofortiger Wirkung nieder.«

Vorgeschichte ohne Konsequenzen

Bei einer Delegiertenversammlung am vergangenen Montag diskutierte das BDZV-Präsidium zumindest am Rande darüber, ob Döpfner angesichts dieser Vorwürfe Präsident des Verbands bleiben könne. Lediglich der Funke-Verlag stellte sich öffentlich gegen den Springer-Verlagschef. »Bereits im vergangenen Oktober haben wir festgestellt, dass wir die Äußerungen und das Verhalten von Herrn Döpfner dem Amt eines BDZV-Präsidenten für nicht angemessen halten. Die Wirkung auf Journalist*innen und Öffentlichkeit ist fatal«, hieß es in einem Statement des Essener Unternehmens gegenüber dem SPIEGEL. »Die neuesten Berichte über die Vorgänge bei Axel Springer haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt. Eine Einordnung von Herrn Döpfner liegt uns auch vier Tage nach der Veröffentlichung des Financial-Times-Artikels nicht vor. Um den Verband und die Branche, die er vertritt, zu schützen, halten wir nach wie vor eine Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen für unerlässlich.«

Im November hatte das BDZV-Präsidium schon einmal über die Personalie Döpfner diskutiert. Damals ging es um eine Textnachricht, die der Manager an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre geschickt hatte und die in der Berichterstattung um Reichelt öffentlich geworden war. Döpfner bezeichnete Reichelt darin als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland, der noch mutig »gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat« aufbegehre. Fast alle anderen seien zu »Propaganda-Assistenten« geworden.

Düffert kritisierte SMS

Der nun zurückgetretene BDZV-Vize Düffert hatte Döpfners Haltung damals bereits kritisiert: »Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung«, sagte Düffert der Deutschen Presse-Agentur.

Döpfner hatte den Inhalt zunächst als Ironie verteidigt und sich später entschuldigt. Nach einer mehrstündigen Sitzung sprach das BDZV-Präsidium sich schlussendlich dafür aus, an ihm festzuhalten.

mum/ih/akh/rai
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