Junk-Bond-Status Rating-Agentur zweifelt an Produktstrategie von GM und Ford

500 Milliarden Dollar schulden die US-Automobilkonzerne Ford und General Motors ihren Gläubigern. Doch die hohe Summe gab nicht einmal den Ausschlag für die Rating-Agentur Standard & Poor's, die Konzerne zu Junk Bonds herabzustufen. Viel schlimmer: Die Experten glauben nicht mehr an die Produkte.


GM-Stand auf der Motorshow in Detroit: Unzeitgemäße Produkte, angeschlagene Marke
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GM-Stand auf der Motorshow in Detroit: Unzeitgemäße Produkte, angeschlagene Marke

New York - Damit bekommen Ford und GM die Quittung für eine verfehlte Zukunftsplanung, die ihnen viele Auto-Experten schon seit längerem vorausgesagt haben. Inzwischen hält auch die Ratingagentur die Produktstrategien für nicht mehr tragfähig. Denn die sportlichen Geländewagen, die in beiden Konzernen den Schwerpunkt der Produktpalette bilden, stoßen bei weitem nicht mehr auf so rege Nachfrage, wie die Vertriebsfachleute erwartet hatten. Zurückzuführen ist das in erster Linie auf die gestiegenen Benzinpreise. Selbst die bis dahin sorglosen Amerikaner werden da nachdenklich.

Die Strategen haben diese Entwicklung verschlafen. Beide Konzerne hingen in hohem Maße vom Ergebnisbeitrag der bisher so beliebten schweren Fahrzeuge ab, konstatiert S&P jetzt. Es sei fraglich, ob die aktuellen Managementstrategien beider Konzerne noch erfolgreich sein könnten, auch wenn bei keinem der Konzerne in den nächsten Wochen oder Monaten ein Liquiditätsengpass zu erwarten sei.

Standard & Poor's hatte die Bonität des angeschlagenen Branchenprimus GM und des weltweit zweitgrößten Herstellers Ford gestern auf spekulatives Niveau abgesenkt. Die Herabstufung gilt sowohl für kurz- wie für langfristige Verbindlichkeiten der beiden Konzerne sowie ihre jeweiligen Finanzierungssparten.

Die Einschätzung von S&P kollidiert deutlich mit der Strategie von GM-Chef Rick Wagoner, der darauf setzt, dass der Absatz großer Geländewagen wieder anzieht, wenn die neuen Modelle kommen. Noch vor kurzem hat Wagoner die Entwicklung einiger klassischer Stufenheck-Pkw mit Hinterradantrieb gestoppt und die freigewordenen Mittel und Ingenieure eingesetzt, um die Entwicklung der neuen Geländewagen zu beschleunigen.

In seiner Begründung führt S&P auch den anhaltenden Verlust von Marktanteilen im Nordamerika-Geschäft beider Konzerne an. Bei GM habe die Fixierung auf die Rabatte bereits den Wert der Marke angegriffen. Weiter sei für beide Konzerne in Frage zu stellen, ob der Abbau von Kapazitäten und die damit verbundene höhere Effizienz tatsächlich zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit geführt habe. Außerdem seien die Personalkosten trotz des Stellenabbaus wegen der zugleich großzügigen Gesundheitsprogramme weiter gestiegen.

S&P-Analyst Scott Sprinzen äußerte sich auch zu der Ankündigung des US-Milliardärs Kirk Kerkorian, der sich mit bis zu neun Prozent an General Motors beteiligen will und dies auch nach der Bonitäts-Herabstufung am Donnerstag noch einmal bekräftigte. Die Ankündigung hatte der GM-Aktie am Mittwoch gehörigen Auftrieb gegeben. Sprinzen nannte das Vorhaben "eine Unwägbarkeit" für GM. Es sei aber noch zu früh, um das Investment näher zu beurteilen.

General Motors sieht seinen Turnaround-Plan durch die Herabstufung gleichwohl nicht gefährdet. Ein Sprecher des weltgrößten Automobilherstellers sagte gestern Abend in Detroit, GM habe ausreichend Liquidität, um das Geschäft auf absehbare Zeit zu finanzieren.



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