Jura kurios Wem gehört eigentlich der Kölner Dom?

Kölner Dom: Symbol des Katholizismus in Deutschland
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Kölner Dom: Symbol des Katholizismus in Deutschland

Die Erklärung


Der Kölner Dom ist etwas Außergewöhnliches. Das gilt nicht nur für seine Höhe: Mit über 157 Metern ist er das dritthöchste Kirchengebäude der Welt - und das zweithöchste in Europa (nach dem Ulmer Münster). Auch seine Größe ist imposant. Der Kölner Dom ist die weltweit drittgrößte Kathedrale im gotischen Baustil, nach der Kathedrale von Sevilla und dem Mailänder Dom. Und schließlich sind die Eigentumsverhältnisse spannend. Der Kölner Dom gehört der "Hohen Domkirche zu Köln", das ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts. Da diese Hohe Domkirche nicht selbst öffentlich auftreten kann, um zum Beispiel unliebsame Besucher des Doms zu verweisen, lässt sie sich vom Metropolitankapitel, auch Domkapitel genannt, vertreten. Im Grundbuch der Stadt Köln heißt es heute zu der Eigentümerstellung wörtlich: "Hohe Domkirche (vertreten durch das Metropolitankapitel) in Köln".

Was ist das Domkapitel? Es ist das leitende Gremium an katholischen Bischofskirchen und besteht aus dazu erwählten 112 Geistlichen. Auch in Köln gibt es dieses Domkapitel. Es vertritt also die Hohe Domkirche im Rechtsverkehr und nimmt das Hausrecht wahr. Also haben weder der Bischof noch der Oberbürgermeister oder gar der Vatikan das Hausrecht.

Das führt zu kuriosen Situationen. So wurde das berühmte, wie ein farbenfrohes Mosaik aussehende und von dem bekannten deutschen Künstler Gerhard Richter 2007 erstellte Südquerhausfenster vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner heftig abgelehnt. Dass das Fenster trotzdem in den Dom eingebaut wurde, hat damit zu tun, dass er nicht Eigentümer des Doms ist. Wäre Meisner Bischof in Bamberg, München oder Speyer geworden, hätte er bei einer solchen Frage selbst entscheiden können.



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Neinsowas 05.12.2010
1. eine spannende Frage;
Eigentumsverhältnisse... Wem gehört Land und Wasser auf der Erde? (Wald, Strände, Flüsse, Meer, Eis, Wüste...) Wer hat Rechte daran? Kann man daran überhaupt ein "Privatrecht" erlangen? Was ist und bleibt Allgemeingut? Wer darf darüber bestimmen? Im Falle des Kölner Domes, wie auch anderer Kirchen und Ländereien, ist ja klar, dass es sich um sogenanntes Kirchen-Eigentum handelt, obwohl das Geld, Gold und die Arbeit dafür gläubige Menschen oftmals spenden mussten. Das ist ja die Crux am Vatikan, dass er einerseits so überirdisch, andererseits aber nur auf der Basis der knallharten Finanzverwaltung existieren kann.
Hilfskraft 05.12.2010
2. Jura kurios: Wem gehört eigentlich der Kölner Dom?
Zitat von sysopEr zählt zu den bekanntesten Bauwerken Deutschlands - aber wer ist eigentlich der Eigentümer des Kölner Doms? Die Anwälte Christian Rauda und Jochen Zenthöfer sind den kuriosen Besitzverhältnissen auf den Grund gegangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,725153,00.html
Wenn ich es noch richtig zusammen bekomme, gehört der Dom sich selbst. Nicht der Stadt Köln, nicht der kath. Kirche, auch nicht dem Land NRW. Er gehört dem Domkapitel, einem Gremium, das seiner Zeit im 19.Jh. für die Vollendundung des Bauwerkes sorgte, da sich sonst niemand dafür zuständig fühlte. Er ist zwar Sitz des Erzbischofs, für Kardinal Meissner lediglich dessen Arbeitsplatz. Hausherr ist der Domprobst, bewacht wird der Dom durch die Dom-Schweizer, einem hauseignen Wachdienst. Die Dombaumeisterin heißt Barbara Schock-Werner. Sie erfüllt diese historische Arbeit mit sehr viel Sachverstand, Kreativität und Charme. Der Erhalt des Doms wird vielfältig finanziert. Unter anderem auch durch die Dombau-Lotterie, die Ende des 19.Jh. zur Fertigstellung ins Leben gerufen wurde. Der Kölner Dom ist UNESCO Weltkultuterbe. Schöne Grüße aus Köln, H.
Klo, 05.12.2010
3. niemandem
Zitat von sysopEr zählt zu den bekanntesten Bauwerken Deutschlands - aber wer ist eigentlich der Eigentümer des Kölner Doms? Die Anwälte Christian Rauda und Jochen Zenthöfer sind den kuriosen Besitzverhältnissen auf den Grund gegangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,725153,00.html
Der Dom gehört den Bürgern Deutschlands, denn die haben ihn gebaut, bezahlt und unterhalten.
Hilfskraft 05.12.2010
4. hier irrt der Verfasser
Zitat von NeinsowasEigentumsverhältnisse... Wem gehört Land und Wasser auf der Erde? (Wald, Strände, Flüsse, Meer, Eis, Wüste...) Wer hat Rechte daran? Kann man daran überhaupt ein "Privatrecht" erlangen? Was ist und bleibt Allgemeingut? Wer darf darüber bestimmen? Im Falle des Kölner Domes, wie auch anderer Kirchen und Ländereien, ist ja klar, dass es sich um sogenanntes Kirchen-Eigentum handelt, obwohl das Geld, Gold und die Arbeit dafür gläubige Menschen oftmals spenden mussten. Das ist ja die Crux am Vatikan, dass er einerseits so überirdisch, andererseits aber nur auf der Basis der knallharten Finanzverwaltung existieren kann.
Der Kölner Dom ist nun nicht gerade ein juristisches Mirakel aber immerhin doch ein Novum. Sulpiz Boisserée und Josef Görres waren die treibende Kraft. Sie begannen in privat finanzierter Eigenregie mit der Vollendung, die sich heute noch, wie ein tolles Drehbuch liest. Kirche und König fühlten sich nicht zuständig, waren aber zur Einweihung in unvollstellbarer Pracht zugegen. Vatikan oder kath. Kirche haben mit dem Bau selber also nichts zu tun. Einen sehr großen Teil des Erhalts wird von den Kölner Bürgern bestritten und dies ist wohl der einzige Haushaltsposten, der von den Bürgern nie in Frage gestellt wird. H.
Jordan Sokoł 05.12.2010
5. Hausrecht
Zitat von sysopEr zählt zu den bekanntesten Bauwerken Deutschlands - aber wer ist eigentlich der Eigentümer des Kölner Doms? Die Anwälte Christian Rauda und Jochen Zenthöfer sind den kuriosen Besitzverhältnissen auf den Grund gegangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,725153,00.html
Ja, wenn das so ist, dann kann das Hohe Domkapitel ja einem unliebsamen Bischof den Zutritt verweigern. Ich hatte zeitweilig den Eindruck, daß die Kölner mit Blick auf ihre originelle Kirchengeschichte so etwas auch mit Kardinal Meißner vorhatten. - Allein, es scheiterte wohl am Wissen um die Eigentumsverhältnisse. Jordan Sokoł
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