Jura kurios Wem gehört eigentlich ein verlorener Geldbeutel?

Verlorener Geldbeutel (Symbolbild): Gehört er dem Finder?
Corbis

Verlorener Geldbeutel (Symbolbild): Gehört er dem Finder?

Die Erklärung


Jährlich werden allein in Berliner Verkehrsmitteln 35.000 Gegenstände vergessen. Geldbörsen und Schlüssel werden am häufigsten zurückgelassen, aber es gibt auch ungewöhnliche Funde wie Zahnprothesen oder Särge. Oft kann sich der Eigentümer gar nicht mehr erinnern, wo er sein Hab und Gut zuletzt gesehen hat.

Die meisten Fundobjekte werden nicht abgegeben, nur ein Teil landet beim Fundbüro. Dabei hat der Finder die Pflicht, seinen Fund zu melden. Kennt er den Eigentümer nicht, muss er dem Fundbüro den Fund anzeigen. Anders ist das nur, wenn die Sache weniger als zehn Euro wert ist. Seit die Fundbüros das Internet nutzen, um verlorene Gegenstände wieder dem ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben, hat sich die Rückgabequote stark erhöht.

Wer eine Sache verliert, verliert damit nicht auch das Eigentum daran. Eine im Fundbüro abgegebene Sache gehört daher immer noch dem ursprünglichen Eigentümer und nicht etwa dem Finder. Holt der Eigentümer den verlorenen Gegenstand ab, steht dem Finder ein Finderlohn zu. Die Höhe des Finderlohns beträgt fünf Prozent, bei einem Wert des Fundes über 500 Euro liegt er bei drei Prozent.

Was passiert aber, wenn der Eigentümer seine Sache nicht mehr abholt? In diesem Fall wird der Finder nach sechs Monaten rechtmäßiger Eigentümer und löst den alten Eigentümer ab. Oft hat der Finder gar kein Interesse an der Sache. Dann wird die Gemeinde des Fundortes Eigentümer. Regelmäßig finden dann öffentliche Versteigerungen statt. Durch die Versteigerung erwirbt der Meistbietende das Eigentum an der Sache.

Bei Fundsachen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder öffentlichen Gebäuden gelten allerdings besondere Regeln. Wer Bediensteter der Verkehrsbetriebe oder des öffentlichen Gebäudes ist, kann keinen Finderlohn verlangen. Alle anderen erhalten die Hälfte des üblichen Finderlohns, wenn die Fundsache mehr als 50 Euro wert ist. Eigentümer kann der Finder nicht werden.

Auch wenn der finanzielle Anreiz dadurch geringer wird, eine im Bus gefundene Sache beim Fundbüro abzugeben: Wer selbst einmal eine verlorene Geldbörse beim Fundbüro wiederbekommen hat, weiß, welche Dankbarkeit er gegenüber dem ehrlichen Finder empfindet.



insgesamt 30 Beiträge
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Misi 06.02.2011
1. Ach!
Wirklich!? Mein Geldbeutel gehört weiterhin mir, obwohl ich ihn im Bus verliere? Ist ja eine unglaubliche Erkenntnis. Und ungeheuer kurios.
Haio Forler 06.02.2011
2. .
Zitat von sysopMan fährt U-Bahn, steigt aus - und stellt fest, dass der Geldbeutel weg ist. Ärgerlich ist das allemal, aber auch juristisch ist der Fall interessant: Wer ist nun Eigentümer des verlorenen Gegenstands? Der Finder? Oder gar die Verkehrsbetriebe? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,724486,00.html
Also, gesetzt den Fall, man findet in der Toilette des Restaurants 50 000 Euro von Josef Ackermann. Da stellt sich doch die Farge: wer ist der Besitzer? Und wer der Behalter? ;)
Rubeanus 06.02.2011
3.
Es handelt sich hier um Grundbegriffe des bürgerlichen Rechts, nicht um "Jura kurios".
Hilfskraft 06.02.2011
4. Nix kurios - eindeutig !
Zitat von sysopMan fährt U-Bahn, steigt aus - und stellt fest, dass der Geldbeutel weg ist. Ärgerlich ist das allemal, aber auch juristisch ist der Fall interessant: Wer ist nun Eigentümer des verlorenen Gegenstands? Der Finder? Oder gar die Verkehrsbetriebe? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,724486,00.html
Eigentümer ist immer noch der, der das Portmonee verloren hat! Der Finder ist lediglich Besitzer! Da der Besitzer aber in dem Fall nicht Eigentümer ist, kann das Portmonee auch nicht in sein Eigentum übergeben. Oder, erst nach Wahrung der einjährigen Frist, wenn er es beim Fundbüro abgeliefert hat. Wenn er es nicht abgeliefert hat, hat er Diebstahl begangen. Ist der Finder ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, handelt er in deren Auftrag und gibt es bei der Sammelstelle ab, was einer Abgabe beim Fundbüro gleich kommt. Meldet sich immerhalb eines Jahres der Eigentümer nicht, wird es versteigert. Selbst danach hat der Eigentümer des Portmonees noch Anspruch auf den Versteigerungserlös nach Abzug der Spesen. H.
arnewolf 06.02.2011
5. Information unterschlagen
Sie haben da offenbar einige interessante Details unterschlagen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,567844,00.html Ist die deutsche Bahn ein Sonderfall? Der Rentner darf dort das Eigentum an dem nicht-abgeholten Geld nicht erlangen und er ist sicherlich kein Angestellter dort. Meines Erachtens ein interessanter Aspekt, der die Finderehrlichkeit innerhalb der deutschen Bahn nicht sonderlich erhöhen dürfte. Warum haben Sie das Detail nicht in ihrem Artikel genannt?
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