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06. Februar 2011, 08:19 Uhr

Jura kurios

Wem gehört eigentlich ein verlorener Geldbeutel?

Man fährt U-Bahn, steigt aus - und stellt fest, dass der Geldbeutel weg ist. Ärgerlich ist das allemal, aber auch juristisch ist der Fall interessant: Wer ist nun Eigentümer des verlorenen Gegenstands? Der Finder? Oder gar die Verkehrsbetriebe?

Den Geldbeutel zu verlieren - das wünscht man niemandem. Schließlich hat man neben dem materiellen Schaden jede Menge Ärger am Hals: Die Kreditkarte muss gesperrt und ein neuer Personalausweis beantragt werden. Juristisch jedoch ist vor allem eine Frage relevant: Wie geht es mit dem alten Geldbeutel weiter? Wem gehört der nun?

Falsch. Das Verkehrsunternehmen kann kein Eigentum erlangen. Die Sache wird nach einer angemessenen Frist versteigert, wenn sie nicht vom Eigentümer abgeholt wird. Der Versteigerungserlös kommt den Verkehrsbetrieben zugute. Wer ersteigert, wird Eigentümer. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Falsch, aber: Der Finder erhält das Eigentum auf eigenen Wunsch, wenn der ursprüngliche Eigentümer die verlorene Sache nicht beim Fundbüro abholt. Lesen Sie hier, wer der Eigentümer ist.

Richtig. Der Verlierende bleibt zunächst Eigentümer, und zwar so lange, bis der Finder Eigentümer wurde oder die Sache versteigert wurde. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Falsch. Wer eine Sache verliert, verliert damit nicht sein Eigentum daran. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

Jährlich werden allein in Berliner Verkehrsmitteln 35.000 Gegenstände vergessen. Geldbörsen und Schlüssel werden am häufigsten zurückgelassen, aber es gibt auch ungewöhnliche Funde wie Zahnprothesen oder Särge. Oft kann sich der Eigentümer gar nicht mehr erinnern, wo er sein Hab und Gut zuletzt gesehen hat.

Die meisten Fundobjekte werden nicht abgegeben, nur ein Teil landet beim Fundbüro. Dabei hat der Finder die Pflicht, seinen Fund zu melden. Kennt er den Eigentümer nicht, muss er dem Fundbüro den Fund anzeigen. Anders ist das nur, wenn die Sache weniger als zehn Euro wert ist. Seit die Fundbüros das Internet nutzen, um verlorene Gegenstände wieder dem ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben, hat sich die Rückgabequote stark erhöht.

Wer eine Sache verliert, verliert damit nicht auch das Eigentum daran. Eine im Fundbüro abgegebene Sache gehört daher immer noch dem ursprünglichen Eigentümer und nicht etwa dem Finder. Holt der Eigentümer den verlorenen Gegenstand ab, steht dem Finder ein Finderlohn zu. Die Höhe des Finderlohns beträgt fünf Prozent, bei einem Wert des Fundes über 500 Euro liegt er bei drei Prozent.

Was passiert aber, wenn der Eigentümer seine Sache nicht mehr abholt? In diesem Fall wird der Finder nach sechs Monaten rechtmäßiger Eigentümer und löst den alten Eigentümer ab. Oft hat der Finder gar kein Interesse an der Sache. Dann wird die Gemeinde des Fundortes Eigentümer. Regelmäßig finden dann öffentliche Versteigerungen statt. Durch die Versteigerung erwirbt der Meistbietende das Eigentum an der Sache.

Bei Fundsachen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder öffentlichen Gebäuden gelten allerdings besondere Regeln. Wer Bediensteter der Verkehrsbetriebe oder des öffentlichen Gebäudes ist, kann keinen Finderlohn verlangen. Alle anderen erhalten die Hälfte des üblichen Finderlohns, wenn die Fundsache mehr als 50 Euro wert ist. Eigentümer kann der Finder nicht werden.

Auch wenn der finanzielle Anreiz dadurch geringer wird, eine im Bus gefundene Sache beim Fundbüro abzugeben: Wer selbst einmal eine verlorene Geldbörse beim Fundbüro wiederbekommen hat, weiß, welche Dankbarkeit er gegenüber dem ehrlichen Finder empfindet.

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