Kabel-TV-Poker Interessengewirr um das Telekom-Netz

Die Verkaufsverhandlungen über das Kabelnetz der Deutschen Telekom sind offenbar erneut ins Stocken geraten. Angeblich droht die Deutsche-Bank-Tochter DB-Investor mit dem vollständigen Rückzug aus den Gesprächen. Hintergrund für den Streit soll die Kooperation der Telekom mit dem Pay-TV-Unternehmer Leo Kirch sein.

Bonn - Erst vor einer Woche hatte der Bonner Telefonriese in Nordrhein-Westfalen den ersten Teilverkauf vermeldet, doch mit DB-Investor, das sich um das Netz in Norddeutschland bewirbt, droht der Telekom laut "Handelsblatt" richtig Ärger.

Stein des Anstoßes ist die geplante Allianz der Telekom mit der Münchener KirchGruppe bei der Entwicklung des digitalen Fernsehens und einer Multimedia-Plattform. Für angeblich rund eine Milliarde Mark will die Telekom 51 Prozent der Kirch-Tochter Beta Research übernehmen. Das Joint Venture soll Decoder und Software für TV-orientierte Multimedia-Plattformen entwickeln.

Deutschen Bank-Chef Rolf Breuer fürchtet nach Angaben des "Handelsblatts", dass die Telekom den Kabelnetz-Käufern auch die D-Box aus dem Hause Kirch als die Zugangstechnik für das digitale TV und Multimedia aufdrücken wolle. Die Investorengruppe Callahan, die 55 Prozent der Kabelgesellschaft in NRW übernehmen wird, habe sich auf diesen Deal eingelassen, hieß es.

"Uns liegt kein Schreiben der Deutschen Bank vor", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek über die angeblichen Ausstiegspläne der Bank. Die D-Box habe in den Verhandlungen nie eine Rolle gespielt. Zudem sei die Telekom immer für einen diskriminierungsfreien Zugang eingetreten. "Wir sind noch mitten in den Gesprächen und werden diese auch fortsetzen", erklärte auch Bank-Sprecher Klaus Thoma. Das Institut wolle große Teile des Telekom-Kabelnetzes in Deutschland übernehmen.

In Branchenkreisen wird dagegen über einen ganz anderen Hintergrund spekuliert, der die Deutsche Bank zum Ausstieg als Bieter für das Kabelnetz veranlasste: Das Geldhaus habe in dem Wettbewerb lediglich die Rolle eines Platzhalters für Mannesmann gespielt. So soll angeblich bereits im Dezember ein Vertrag mit DB Investor unterschriftsreif gewesen sein.

Nach der Übernahme der Mannesmann AG durch den britisch-amerikanischen Mobilfunkanbieter Vodafone AirTouch sei die Grundlage für den Erwerb des Kabelnetzes entfallen. Mannesmann hatte der Telekom im vergangenen Jahr angeboten, das TV-Kabelnetz vollständig zu übernehmen. Unter den zahlreichen Bietern war das Unternehmen aber gleich in der ersten Runde ausgeschieden.

Ungemach droht der Telekom möglicherweise auch von den Wettbewerbshütern. Nach Angaben eines Sprechers des Bundeskartellamtes in Bonn seien über das Vorhaben von Kirch und Telekom zwar Vorgespräche geführt worden. Bislang wurde das Joint Venture aber noch nicht angemeldet. Kartellamtspräsident, Ulf Böge, hatte bereits Bedenken angemeldet, weil von der Netzseite und Inhalteseite zwei große Anbieter zusammenkämen.

"Auf schleichende Art ein Monopol"

Für Peter Stritzl, Geschäftsführer der tss telekabel service süd, passt an dem Bündnis Telekom/Kirch manches nicht zusammen: Da werde einerseits die Liberalisierung propagiert, andererseits aber "auf schleichende Art und Weise ein Monopol geschaffen".

Ähnliche Bedenken äußerte auch der Verband Privater Kabelnetzbetreiber (ANGA) in Bonn. "Ich gehe davon aus, dass die D-Box als eine mögliche Technik festgeschrieben werden soll", sagt der ANGA-Geschäftsführer Dirk Ulf Stötzel. Und damit seien die künftigen Eigentümer des Kabelnetzes nicht nur beim Fernsehen, sondern auch bei Internet auf eine Technik festgenagelt.

Peter Lessmann