Kabelnetz-Verkauf Telekom muss weiteren Preisverfall fürchten

Bei den Verhandlungen über den Verkauf des Telekom-Kabelnetzes ist Medienbaron John Malone offenbar zum zweiten Mal ausgeschieden. Seine Konkurrenten sollen knapp über zwei Milliarden Euro für die Netze geboten haben - doch der endgültige Preis könnte noch tiefer liegen.


Telekom-Kabelnetz: Die Bieterzahl verringert sich von vier auf drei, der Preis hat sich halbiert
AP

Telekom-Kabelnetz: Die Bieterzahl verringert sich von vier auf drei, der Preis hat sich halbiert

Bonn - In der ersten Runde wollte Malones Medienkonzern Liberty noch 5,5 Milliarden Euro zahlen, der bereits vereinbarte Kauf scheiterte aber an einem Veto des Kartellamtes. Jetzt, nur ein gutes Jahr später, haben sich die Amerikaner offenbar eines Besseren besonnen: Nach Berichten der Agentur Reuters und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat Liberty gemeinsam mit drei Finanzinvestoren ein Angebot abgegeben, das unter zwei Milliarden Euro lag. Der Telekom war das offenkundig zu wenig - sie soll Liberty und seine Partner aus den weiteren Verkaufsverhandlungen ausgeschlossen haben.

Im Rennen um die Übernahme der sechs Kabelnetzen mit 10,3 Millionen Anschlüsse sind nun nur noch drei Konsortien, die sich um Finanzinvestoren wie Goldman Sachs und Hicks, Muse, Tate & Furst gruppieren sollen. Nach Informationen der "FAZ" sollen die Gebote zwischen zwei und 2,3 Milliarden Euro liegen. Noch vor wenigen Wochen hatte die Telekom mitgeteilt, sie rechne mit einem Verkaufserlös von 3,5 Milliarden. Die Summe soll dem Abbau der Schulden dienen, die sich auf über 64 Milliarden Euro summieren.

Der Verfall des Kabelnetz-Preises aber könnte sich weiter beschleunigen. Vor allem wegen der Zurückhaltung der Konsumenten gegenüber neuen Multimedia-Diensten über die Kabelnetze sind die Unternehmenswerte von Kabelgesellschaften in den vergangenen Monaten drastisch gesunken.

Zudem könnten die verbliebenen Konsortien ihre Gebote weiter senken, so die "FAZ" unter Berufung auf Branchenkreise, wenn sie erst einmal Einblick in die Bücher der Kabelgesellschaften erhalten haben. Viele Beobachter gingen inzwischen davon aus, dass der realistische Preis derzeit bei nur 1,5 Milliarden Euro liege. Je länger sich die Verhandlungen hinzögen, desto tiefer werde der Preis fallen - unter anderem auch, weil kleinere Betreiber in investieren, um vom Kabelnetz der Telekom unabhängiger zu werden. Die müsste sich dann einen neuen Weg einfallen lassen, ihre Milliarden-Schulden zu verringern.



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