Kaffee-Kriege Starbucks-Revolution frisst ihre Kinder

Die Kaffeehaus-Expansion, vorangetrieben von der US-Kette Starbucks, kommt zumindest im Teetrinkerland Großbritannien ins Stocken. Nach einer brutalen Schlacht um Marktanteile droht einer der größten Ketten die Pleite oder Übernahme.


Vorbild Starbucks: Die Zahl der Koffein-Könige schrumpft
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Vorbild Starbucks: Die Zahl der Koffein-Könige schrumpft

London - Die Zeiten, in denen fast im Wochentakt neue Filialen der Marke Starbucks oder Caffe Nero in Londons schicksten Vierteln eröffneten, sind vorüber. Eigentlich war auch allen klar, dass das Expansionstempo nicht zu halten war. Das erste Opfer des Verdrängungswettbewerbs dürfte die börsennotierte Kette Coffee Republic sein, mit immerhin 107 Filialen die Nummer drei des Marktes nach Costa Coffee (300 Filialen) und dem großen Vorbild Starbucks (284 Niederlassungen).

Die Kette, die im vergangenen Geschäftsjahr 7,5 Millionen Pfund verlor und 18 besonders unprofitable Standorte schließen will, befindet sich in akuter Finanznot. Im Geschäftsbericht des Unternehmens, der in dieser Woche verschickt wird, berichtet der Wirtschaftsprüfer BBDO Stoy Hayward dem "Guardian" zufolge von "erheblicher Unsicherheit" über die künftige Finanzierung. Bereits im Juni sei Coffee Republic Kreditverpflichtungen nicht nachgekommen und nur durch die Großzügigkeit der Banken gerettet worden. Fraglich sei, ob eine Kreditlinie der Kaffeeröster verlängert werde. Möglich ist, dass die Mittel des Starbucks-Klons nur bis zum Dezember reichen.

Coffee Republic wird nun voraussichtlich an einen größeren Konkurrenten oder einen anderen Investor verkauft. In der vergangenen Woche bereits hat das Unternehmen eingeräumt, es habe ein Übernahmeangebot erhalten. Seither wird in Londons Banken, Redaktionsstuben und Kaffeehäusern spekuliert, wer wohl der potenzielle Käufer sein könnte. Der Branchenprimus Costa Coffee, der auch beim Marktanteil vor Starbucks liegt, dementiert jegliches Interesse. Dass Starbucks hinter dem Angriff steckt, gilt als nicht ganz ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist schon, dass der Millionär Julian Richer, der sein Vermögen mit dem Verkauf von Hifi-Artikeln ansammelte und bereits als Großaktionär bei Coffee Republic engagiert ist, die Mehrheit übernimmt. Auch die Nummer vier der Koffein-Liga, Caffe Nero, die mit 106 Filialen nur knapp kleiner ist, wird als der heimliche Bieter vermutet. Immerhin hat Caffe Nero jüngst von seinen Banken sieben Millionen Pfund für die weitere Expansion erhalten. Diese Ausdehnung indes wirkt eher wie eine Flucht nach vorn denn als ein Zeichen von Vitalität. Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb auch Caffe Nero fast zwei Millionen Pfund Verlust.

So wird Coffee Republic wohl nicht das letzte Opfer der Konsolidierung sein. Unternehmensgründer Bobby Hashemi jedenfalls sieht die derzeitige Lage der gesamten Branche skeptisch: "Wir sind nur die ersten, die aufgewacht sind und gesagt haben, was Sache ist. Der Markt ist im Moment nicht profitabel."



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