Kahlschlag Telekom will 45 Call-Center schließen

Die Deutsche Telekom will in den kommenden Monaten fast die Hälfte ihrer knapp 100 Call-Center schließen. Jobs sollen dabei jedoch nicht wegfallen, versichert das Unternehmen. Gewerkschafter befürchten trotzdem, dass der Konzern mit den Schließungen Personal vergraulen will.


Bonn - Bis zur Mitte des Jahres soll es nur noch 51 statt wie bisher 96 Call-Center in der Festnetzsparte T-Com geben. Den betroffenen 3300 Beschäftigten will das Unternehmen Jobs an den verbleibenden Standorten anbieten. Die drastische Verschlankung des Call-Center-Bereichs solle die Effizienz des Beratungsangebots erhöhen und die Kosten senken, erklärte ein Firmensprecher. An weniger Standorten sollen mehr Mitarbeiter tätig sein. Das werde die Erreichbarkeit und damit die Servicequalität verbessern.

Die Gewerkschaft Ver.di hält dieses Argument für vorgeschoben. Der geplante Umbau sei ein "Kahlschlag", erklärte der Ver.di-Telekom-Experte, Lothar Schröder. "Das Streichkonzept bei den Telekom-Call-Center ist beschäftigungspolitisch und regionalpolitisch unzumutbar." Unter den Maßnahmen hätten vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte zu leiden.

Die Pläne seien außerdem nicht dazu geeignet, die Service-Qualität zu verbessern. Vielmehr müsse die Maßnahme im Zusammenhang mit dem Stellenabbau des Konzerns gesehen werden: Mit der Personalverschiebung in den Call-Centern sollten offenkundig Beschäftigte vergrault werden. So wolle der Konzern schlicht Kosten sparen. T-Com beschäftigt derzeit mehr als 15.000 Mitarbeiter in den Call-Centern.

Die Nachricht von der Schließung vieler Call-Center-Standorte kommt nur einen Tag nachdem die Gespräche zwischen der Telekom und der Gewerkschaft über den geplanten Jobabbau bei dem Konzern ergebnislos abgebrochen und auf Anfang Februar vertagt wurden. Bis 2008 will die Telekom in Deutschland 32.000 Stellen abbauen, 20.000 davon bei T-Com. So sollen die Kosten von 2009 an um 1,7 Milliarden Euro gesenkt werden.

Der Personalabbau soll über Vorruhestands- und Abfindungsregelungen erfolgen, auf betriebsbedingte Kündigungen will die Telekom verzichten. Die Gespräche mit der Gewerkschaft über diese Pläne seien jedoch "äußerst schwierig", wie ein Ver.di-Sprecher gestern Abend erklärte. In einzelnen Bereichen hätten sich die beiden Seiten allerdings angenähert.



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