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Präsidentschaftswahl in den USA Besitzer der »Los Angeles Times« untersagt Wahlempfehlung für Kamala Harris

Das Meinungsteam der »Los Angeles Times« wollte zur Wahl von Kamala Harris aufrufen. Doch der Besitzer der Zeitung blockte das ab. Nun gibt es Konsequenzen.
»Los Angeles Times«-Gebäude in Kalifornien

»Los Angeles Times«-Gebäude in Kalifornien

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Damian Dovarganes / AP

Das Editorial Board der US-Traditionszeitung »Los Angeles Times« wollte eine Empfehlung zur Wahl der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris aussprechen. Doch der Eigentümer der Zeitung blockierte die Pläne. Nun verlässt eine Redakteurin deswegen die Zeitung.

Mariel Garza sagte dem Fachmedium »Columbia Journalism Review« : »Ich trete zurück, weil ich deutlich machen will, dass ich nicht damit einverstanden bin, dass wir schweigen«, so Garza: »In gefährlichen Zeiten müssen ehrliche Menschen aufstehen. Das ist meine Art, aufzustehen.« Garza sagte weiter, dass das Editorial Board beabsichtigt habe, Harris zu unterstützen. Sie habe bereits einen Entwurf eines vorgeschlagenen Leitartikels verfasst.

Bei dem Editorial Board handelt es sich um eine Art Meinungsredaktion, die unabhängig von den Reportern arbeitet und im Alltag über die Politik Trumps und Harris schreibt. Dass solche Meinungsredaktionen Wahlempfehlungen aussprechen, ist in den USA üblich. Das Editorial Board der renommierten »New York Times«  etwa hatte kürzlich zur Wahl von Harris aufgerufen.

Der Eigentümer der »Los Angeles Times«, Patrick Soon-Shiong, möchte aber nicht, dass das Editorial Board seiner Zeitung eine solche Empfehlung ausspricht. Auf X schreibt er, die Redaktion habe die Möglichkeit gehabt, »eine sachliche Analyse aller positiven und negativen politischen Maßnahmen jedes Kandidaten während seiner Amtszeit im Weißen Haus zu verfassen, und wie sich diese Maßnahmen auf die Nation auswirken.« Auf diese Weise hätten die Leserinnen und Leser anhand unparteiischer Informationen eine Entscheidung treffen können. »Anstatt diesen Weg einzuschlagen, wie vorgeschlagen, entschied sich die Redaktion, zu schweigen, und ich habe ihre Entscheidung akzeptiert«, so Soon-Shiong, der die Zeitung 2018 gekauft hatte.

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Gewerkschaft übt Kritik

Der Gewerkschaftsrat der »Los Angeles Times« äußerte sich kritisch. Der Rat teilt mit, er sei »zutiefst besorgt über die Entscheidung unseres Eigentümers, eine geplante Unterstützung im Präsidentschaftswahlkampf zu blockieren«. Und: »Wir sind sogar noch besorgter darüber, dass er jetzt auf unfaire Weise den Mitgliedern des Redaktionsausschusses die Schuld für seine Entscheidung gibt.« Man verlange eine Reaktion der Redaktionsleitung.

Ein Sprecher der Zeitung reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Donald Trumps Wahlkampagne griff Garzas Abschied von der Zeitung auf und erklärte, die größte Zeitung des Bundesstaates Kalifornien habe sich geweigert, die Demokraten zu unterstützen, nachdem sie Harris bei ihren früheren Kandidaturen für den US-Senat und den Generalstaatsanwalt unterstützt hatte.

ptz/AP