Kampf um Airbus-Werke Merkel will bei EADS-Chef vorsprechen

Jetzt will Bundeskanzlerin Merkel persönlich kämpfen: Nach SPIEGEL-Informationen zufolge plant sie ein Treffen mit EADS-Chef Gallois, um über die Zukunft der deutschen Airbus-Werke zu verhandeln. In Deutschland geht die Angst um, dass die heimischen Standorte die großen Verlierer der Krise werden.


Hamburg - Der Druck wird stärker: Nun will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich bei dem Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS Chart zeigen, Louis Gallois, für die deutschen Werke stark machen. Das Treffen soll noch vor dem 20. Februar stattfinden - dann nämlich will Gallois die Einzelheiten des Airbus-Sanierungsprogramms "Power 8" bekannt geben. Merkel will darauf drängen, dass darin die deutschen Airbus-Standorte nicht überproportional belastet oder gar wichtige Kompetenzen nach Frankreich verlegt werden.

Aktionstag im Hamburger Airbus-Werk: Arbeitnehmervertreter bangen um Schlüsselindustrien
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Aktionstag im Hamburger Airbus-Werk: Arbeitnehmervertreter bangen um Schlüsselindustrien

Genau das nämlich befürchten Arbeitnehmervertreter. Auf einem bundesweiten Protesttag hatten sie gestern Horrorszenarien gemalt, wonach 10.000 Jobs in Deutschland gefährdet sind und sämtliche Schlüsseltechnologien abgezogen werden sollen.Gestritten wird demnach zwischen Frankreich und Deutschland etwa um die Aufgabenverteilung beim Bau des neuen Langstreckenjets A350, der in Toulouse montiert werden soll.

Auch zahlreiche andere Politiker machen sich für die deutschen Werke stark. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schon Andeutungen in diese Richtung gemacht hatte, forderte Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall jetzt ganz offen, die Staatsaufträge an Airbus als Druckmittel einzusetzen. "Ich halte die Vergabepolitik für einen wichtigen Hebel, um klar zu machen, dass man die deutschen Interessen nicht übergehen kann", erklärte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Hinter den Kulissen werde zwischen Frankreich und Deutschland derzeit heftiger um die Zukunft des europäischen Flugzeugbauers gerungen denn je, berichtet der NDR. Denn obwohl die Details nach offizieller Lesart erst am 20. Februar verkündet werden - Vorentscheidungen über die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Standorte für die kommenden zehn Jahre bei EADS werde es schon Ende nächster Woche bei EADS geben.

Betrachtet man rein die nackten Zahlen, müssten die deutschen Werke dabei allerdings nicht mehr zu fürchten haben als die französischen. Einer internen Studie des Flugzeugbauers zufolge arbeiten die deutschen Airbus-Mitarbeiter sogar produktiver, wie der "Focus" berichtet. In Gallois' Auftrag hätten zwei unabhängige Teams sämtliche 18 Standorte in Europa zehn Tage lang unter die Lupe genommen. Die Werke in Hamburg und Bremen zählten demnach zu den besten, lediglich das britische Werk in Broughton schneide noch besser ab.

Das Bremer Werk erhielt mit seinen 3400 Beschäftigten demnach gleich in mehreren Bereichen Bestnoten: Die Disziplin der Mitarbeiter sei den Prüfern zufolge vorbildlich, ebenso die Organisation der Arbeitsbereiche. Im Vergleich müsste in Bremen am seltensten die Produktion wegen technischer Probleme gestoppt werden. Im Hamburger Werk halten die Beschäftigten dem Bericht zufolge bei der Rumpfproduktion die zeitlichen Vorgaben am genauesten ein, die Abläufe bei der Endmontage seien zudem besonders gut abgestimmt.

Diese Nachrichten dürfte die deutsche Belegschaft etwas beruhigen. Der vertrauliche Bericht dient dem Magazin zufolge als Grundlage für "Power 8". Und erst kürzlich hatte eine Studie der Unternehmensberatung Stratorg für Wirbel gesorgt, der zufolge Airbus France schon erheblich mehr zur Produktivitätssteigerung getan habe als Airbus Deutschland. Laut der von französischen Gewerkschaften finanzierten Studie wurden in Frankreich schon 55 Prozent der Entwicklung und 45 Prozent der Fertigung ausgegliedert, davon drei Viertel an Firmen im Ausland. In Deutschland werde dagegen auch Zulieferarbeit im Lande gehalten. Anders als die Deutschen hätten die Franzosen zudem wegen "Power8" schon mit dem Abbau von zehn Prozent der Verwaltungsstellen begonnen.

ase/ddp/dpa



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